Ecosia: Abschied von Mistral, neuer Fokus auf Open-Source-KI
Nachdem kürzlich bereits die Bundesregierung den Stecker bei Mistral gezogen hat, richtet sich nun auch Ecosia neu aus und beendet die Zusammenarbeit mit Mistral AI. Erst im vergangenen Mai war man von OpenAI zu den Franzosen gewechselt, doch nun folgt schon die nächste Kehrtwende. Gründer Christian Kroll nennt als Hauptgrund die enttäuschende Qualität der Mistral-Modelle, die inzwischen rund ein Jahr hinter der Konkurrenz zurücklägen. Hinzu kamen technische Schwierigkeiten mit überlasteten Servern. Für Mistrals Infrastruktur sei Ecosia schlicht ein zu großer Kunde gewesen.
Auch die Rahmenbedingungen passten nicht mehr. Kroll verwies auf den hohen Atomstromanteil in Frankreich, der schwer mit den Umweltzielen von Ecosia vereinbar sei, und auf Zweifel an der Unabhängigkeit Mistrals, nachdem internationale Investoren wie Nvidia und Samsung viel Risikokapital gegeben hätten. Mistral reagierte prompt und verwies auf das neue Modell Large 4. Mitgründer Guillaume Lample lud Ecosia ein, es früh zu testen, und betonte, dass Spitzenmodelle Zeit und enorme Rechenleistung brauchen.
Ecosia geht deshalb einen anderen Weg und arbeitet künftig mit der Plattform Melious zusammen. Darüber bindet die Suchmaschine verschiedene Open-Source- und Open-Weight-Modelle ein, darunter auch chinesische Systeme wie Qwen, GLM und Kimi. Laut Kroll haben sich dadurch die laufenden Kosten etwa halbiert, während Qualität und Leistung sogar zugenommen haben.
Bedenken wegen möglicher Zensur oder Verzerrungen in chinesischen Trainingsdaten sieht Ecosia gelassen. Geopolitische Einflüsse ließen sich durch technische Filter und gezieltes Nachtraining beherrschen. Grundlegende Qualitätsmängel schwächerer Modelle wären dagegen nicht so einfach zu beheben, weshalb der neue Ansatz für Ecosia offenbar die bessere Wahl ist.