Bundesregierung lässt plötzlich Mistral fallen

Die Bundesregierung hat den geplanten Rahmenvertrag mit dem französischen KI-Unternehmen Mistral und dem Softwarekonzern SAP überraschend aufgegeben. Wie die Welt berichtet, sollte die im November 2025 von Deutschland und Frankreich vorgestellte Kooperation unter anderem KI-gestützte Verwaltungssoftware für Behörden und digitale Agenten entwickeln. Ein Sprecher des Bundesdigitalministeriums sagte gegenüber Politico, die Zusammenarbeit werde künftig eigenständig von den Unternehmen weiterentwickelt. Auf Seiten des Bundes gebe es derzeit keine Beschaffungsvorhaben bei Mistral. Ob das Projekt ganz fallengelassen oder in abgeänderter Form fortgeführt wird, ist offen.

Die Partnerschaft war eigentlich als Bekenntnis zu einer eigenständigen europäischen KI-Infrastruktur gedacht. Frankreichs Digitalministerin Anne Le Hénanff sprach damals noch von einem neuen Kapitel, ihr deutscher Amtskollege Karsten Wildberger betonte zudem, Europa habe die nötigen Fähigkeiten für eine souveräne digitale Verwaltung. Warum sich der Bund zurückzieht, dazu äußern sich weder die Regierung noch Mistral. Auch SAP macht keine Angaben und erklärt lediglich, die Zusammenarbeit mit Mistral bleibe unverändert.

Für den Kurswechsel kommen mehrere Faktoren in Betracht, denn in Deutschland entsteht mit dem Zusammenschluss von Aleph Alpha und der kanadischen Firma Cohere ein weiterer Anbieter für den öffentlichen Sektor. Wildberger hat diese Kooperation mehrfach hervorgehoben, und Aleph Alpha stellte erst vor wenigen Tagen sein neues Modell Kolibri vor. Zweifel an Mistrals Leistungsfähigkeit könnten zudem ebenfalls eine Rolle spielen. Ecosia-Geschäftsführer Christian Kroll erklärte kürzlich, dass sich sein Unternehmen von Mistral trennen werde. Die verfügbaren Modelle lägen etwa ein Jahr hinter der Konkurrenz, und es habe wiederkehrende technische Probleme gegeben, darunter überlastete Server. Durch den Wechsel zu Open-Source-Modellen habe Ecosia außerdem wohl die Kosten in etwa halbiert und zugleich Qualität und Leistung verbessert.

Mistral weist die Kritik zurück. Mitgründer Guillaume Lample verwies auf das neue Modell Large 4 und bot Ecosia einen vorzeitigen Zugang an. Das Modell kommt auf eine Billion Parameter. Unabhängige Tests zeigen jedoch, dass Large 4 im Gesamtvergleich hinter Spitzenmodellen von OpenAI, Anthropic und chinesischen Anbietern wie Kimi liegt. Der KI-Forscher Holger Hoos von der Technischen Hochschule Aachen bezeichnete Large 4 als grundsolide, aber keineswegs bahnbrechend. Damit bleibt unklar, wie es mit der geplanten Zusammenarbeit weitergeht.

Stefan Kröll

Über den Autor

Gründer von Xgadget.de und IT-Experte mit über 15 Jahren Erfahrung in den Bereichen macOS, Windows und Smart Home. Als leidenschaftlicher Tech-Enthusiast zudem auch spezialisiert auf Raspberry Pi Projekte und individuelle IT-Lösungen, um komplexe Technik für Anwender verständlich und nutzbar zu machen.

Alle Artikel von Stefan Kröll →
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

* gesponserter Link
Blogverzeichnis - Bloggerei.de