Wake-on-Power am Mac: Endlich kein Power-Button mehr nötig

macOS 26.5 bringt endlich ein Feature, das PC-Nutzer schon seit Jahren kennen: Den Mac automatisch starten lassen, sobald Strom angelegt wird. Das klingt unscheinbar, ist aber für alle, die ihren Mac remote verwalten - etwa im Home-Lab oder Rechenzentrum - ein echter Game-Changer und kann damit sehr viel Sinn machen.

Warum ist das so wichtig?

Macs hatten bislang zwei Möglichkeiten, aus der Ferne gestartet zu werden: Wake-on-LAN (seit macOS 10.4 / 2005), bei dem ein "Magic Packet" den Mac aus dem Schlaf holt, sowie die Option "Nach Stromausfall neu starten". Letztere ist aber problematisch, weil das brutale Unterbrechen der Stromzufuhr kein normaler Shutdown-Zustand ist und theoretisch zu Datenverlust führen kann. Das neue Feature hingegen erlaubt einen sauberen Workflow: Mac herunterfahren, Strom wegnehmen, Strom anlegen – und der Mac bootet von selbst.

Systemvoraussetzungen

Nicht jeder Mac bekommt dieses Feature. Folgende Hardware wird unterstützt:

  • Mac mini (2024 oder neuer)
  • Mac Studio (2025 oder neuer)
  • iMac (2024 oder neuer)
  • macOS 26.5 oder neuer (zwingend erforderlich)

Ältere Macs – inklusive der legendären G4/G5 X-Serves ohne IPMI – gehen leider leer aus.

Einrichtung: So aktivierst du die Funktion

Die Einrichtung dauert weniger als eine Minute:

  1. Apple-Menü öffnen -> Systemeinstellungen
  2. In der Seitenleiste auf Energie klicken
  3. Beim Dropdown-Menü "Starten, wenn Strom verbunden wird" die Option "Immer" auswählen

Der Mac startet ab sofort automatisch, sobald er mit dem Stromnetz verbunden wird – egal ob durch Einstecken, einen externen Schalter oder nach einem Stromausfall.

Wichtiger Hinweis: Wenn der Mac beim Herunterfahren bereits am Strom angeschlossen blieb, sollte man mindestens 30 Sekunden warten, bevor man den Strom wieder anlegt. Das gibt dem Netzteil Zeit, sich vollständig zu entladen.

Remote-Setup mit Home Assistant und Zigbee-Steckdose

Das volle Potenzial dieser Funktion entfaltet sich in Kombination mit einer smarten Steckdose. Empfehlenswert ist etwa eine schaltbare Steckdose (z.b. Zigbee-Steckdose), die über Home Assistant eingebunden wird. Das Setup funktioniert folgendermaßen:

  1. Smarte Steckdose in Home Assistant unter Einstellungen -> Geräte -> Zigbee einbinden und benennen (z. B. "M4 Mac mini")
  2. Mac mini an die smarte Steckdose anschließen
  3. Mac wie gewohnt herunterfahren
  4. Per Home Assistant (oder App, Automatisierung, etc.) die Steckdose einschalten → Mac bootet automatisch

So lässt sich der Mac von überall auf der Welt aus dem ausgeschalteten Zustand hochfahren – vollständig remote.

FileVault und SSH-Zugriff nach dem Boot

Wer FileVault (Festplattenverschlüsselung) aktiviert hat, muss nach dem Boot einen zusätzlichen Schritt beachten: Der Mac wartet beim Startvorgang auf die Passworteingabe zur Entsperrung. Hier hilft ein Feature, das bereits mit macOS 26.0 (Tahoe) eingeführt wurde:

ssh benutzername@mac-mini.local

Das System meldet dann, dass es gesperrt ist und fordert zur Eingabe des lokalen Benutzerpassworts auf. Nach erfolgreicher Eingabe schließt man die Session mit Ctrl+C und verbindet sich erneut – ab dann ist normaler SSH-Zugriff möglich.

Bekannte Bugs und Fallstricke

  • Screen-Sharing-Session ohne Logout: Wer sich per Screen Sharing (VNC) remote einloggt und die Sitzung schließt, ohne sich vorher abzumelden, hinterlässt den Mac in einem eingeloggten Zustand – der Bildschirm zeigt den Desktop. Wer den Mac in einem öffentlich zugänglichen Bereich stehen hat, sollte sich daher immer erst ausloggen, bevor die Remote-Sitzung beendet wird.
  • Boot-Bug beim Shutdown vor FileVault-Unlock: Es gibt einen Firmware-Bug: Wenn der Mac gestartet ist, aber noch niemand sich eingeloggt hat (pre-FileVault-Unlock-Zustand), und man dann über den Anmeldebildschirm "Ausschalten" wählt, greift die "Automatisch starten"-Funktion beim nächsten Anlegen des Stroms nicht. Der einzige Workaround: In diesem Zustand den Strom hart unterbrechen, statt den Software-Shutdown zu nutzen – was natürlich wieder das eigentliche Ziel konterkariert. Es handelt sich wohl um einen Firmware-Bug, der hoffentlich bald gepatcht wird.

Fazit

Nach Jahren des Wartens können Mac-Nutzer ihre Desktop-Macs endlich genauso komfortabel remote verwalten wie Linux-Server. In Kombination mit einer smarten Steckdose und Home Assistant ist ein vollständiger Remote-Power-Cycle möglich – vom Herunterfahren bis zum bootfertigen System, ohne je physisch in die Nähe des Geräts zu müssen. Für Home-Lab-Betreiber, IT-Admins und alle mit schwer zugänglichen Macs ist das ein echter Fortschritt.

Letzte Aktualisierung am 19. Juni 2026 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Stefan Kröll

Über den Autor

Gründer von Xgadget.de und IT-Experte mit über 15 Jahren Erfahrung in den Bereichen macOS, Windows und Smart Home. Als leidenschaftlicher Tech-Enthusiast zudem auch spezialisiert auf Raspberry Pi Projekte und individuelle IT-Lösungen, um komplexe Technik für Anwender verständlich und nutzbar zu machen.

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