LG lässt Windows heimlich Werbe-Software installieren
LG steht derzeit gleich doppelt in der Kritik: Während US-Monitorkäufer sich über heimlich installierte Werbe-Apps ärgern, sorgen neue Nutzungsbedingungen für LG-Smart-TVs für Diskussionen über Abhörgesetze in den eigenen vier Wänden. Beide Fälle zeigen ein Muster, das der YouTube-Kanal Gamers Nexus in einem ausführlichen Video aufgedeckt hat.
Die Monitor-Adware im Detail
Gamers Nexus testete gezielt einen neuen LG UltraGear-Monitor für rund 1200 US-Dollar und stellte fest, dass Windows Update nach dem bloßen Anschließen automatisch eine App samt McAfee-Werbung installierte, ganz ohne Zustimmung oder Hinweis. Pikant: Ein Team-Mitglied besitzt bereits seit drei Jahren LG-Displays, und genau diese bekamen während der Recherche zum allerersten Mal dasselbe Pop-up angezeigt – ausgelöst durch ein Update des LG Monitor App Installers. Kurz nach der Berichterstattung senkte LG interessanterweise den Preis des getesteten Monitors um die Hälfte, was viele als Reaktion auf die schlechte Presse werten.
Laut Recherchen von Privacy Guides und Android Authority zeigte der Installer bei 32 aufeinanderfolgenden Systemstarts in 31 Fällen die McAfee-Werbung, nur einmal wurde stattdessen ein LG-eigenes Tool beworben. Windows Latest bestätigt zudem, dass LGs eigenes Änderungsprotokoll die automatische Installation über Windows Update inzwischen offen einräumt.
Smart-TVs und das Abhör-Problem
Parallel zur Monitor-Affäre rollte LG bei bestimmten Smart-TVs neue Nutzungsbedingungen aus, die auf "KI-basierte Servicebedingungen" verweisen. Darin müssen Nutzer faktisch bestätigen, dass sie selbst dafür verantwortlich sind, die Zustimmung aller Personen einzuholen, deren Stimmen vom Gerät aufgenommen werden könnten – inklusive Gästen im eigenen Wohnzimmer. Gamers Nexus kritisiert das scharf: Ein Kind etwa könne rechtlich gar keine wirksame Einwilligung geben, und kaum ein Nutzer werde Gästen tatsächlich erklären, dass ihr Fernseher mitzuhören vermag. Wer das Update ablehnt, riskiert zudem den Verlust künftiger Sicherheitsupdates – ein Nutzer wird damit in ein Dilemma zwischen Privatsphäre und IT-Sicherheit gezwungen.
Texas-Klage als Hintergrund
Diese neuen Pop-ups sind kein Zufall, sondern direkte Folge eines Vergleichs mit dem texanischen Generalstaatsanwalt Ken Paxton, der LG im Mai 2026 wegen unerlaubter Datensammlung per "Automated Content Recognition" (ACR) verklagt hatte. Paxton warf LG vor, heimlich zu erfassen, was Nutzer über Streaming-Apps, Kabel oder angeschlossene Geräte wie Spielekonsolen ansehen – die Technik soll dabei alle 500 Millisekunden Screenshots des Bildschirms an LG übermittelt haben. Im Vergleich verpflichtete sich LG, künftig eine klare Opt-out-Möglichkeit sowie Hinweise auf der TV-Oberfläche und der Webseite bereitzustellen, ohne jedoch ein Fehlverhalten einzugestehen. Zusätzlich wurde LG untersagt, Zuschauerdaten in irgendeiner Form an die Kommunistische Partei Chinas weiterzugeben. Der Fall reiht sich in eine größere Klagewelle ein, die neben LG auch Samsung, Sony, Hisense und TCL betrifft - Samsung hatte bereits im März 2026 einen ähnlichen Vergleich geschlossen.
Unbegrenzte Systemrechte als Kernproblem
Besonders brisant am Monitor-Fall ist, dass der LG Monitor App Installer laut Microsoft Store "alle Systemressourcen" nutzen darf. Diese Berechtigung erlaubt theoretisch Zugriff auf sämtliche Dateien, Peripheriegeräte wie Kameras und Mikrofone sowie den Standort, ohne dass der Nutzer benachrichtigt wird. Der Konsumenten-Wiki-Eintrag zum Fall bestätigt, dass die App über den Microsoft Store nicht deinstalliert werden kann und Nutzer sie stattdessen nur über den Autostart in den Windows-Einstellungen deaktivieren können.
| Betroffener Bereich | Problem | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| LG-Monitore (Windows) | Automatische App-Installation mit McAfee-Werbung, "alle Systemressourcen"-Rechte | Gruppenrichtlinie "Prevent automatic download of applications associated with device metadata" aktivieren |
| LG-Smart-TVs (USA) | ACR-Datensammlung ohne klare Zustimmung, Mikrofon-Nutzungsbedingungen | Opt-out laut Texas-Vergleich, Geräte ggls. offline betreiben |
Wer betroffen ist, kann die automatische Installation dauerhaft über den Editor für lokale Gruppenrichtlinien unterbinden: Unter "Computerkonfiguration -> Administrative Vorlagen -> System -> Geräteinstallation" lässt sich die Option "Automatischen Download von Anwendungen verhindern, die Gerätemetadaten zugeordnet sind" aktivieren. Als noch drastischere Lösung schlagen Nutzer im Windows-Forum vor, den Microsoft Store über dieselbe Richtlinienstruktur komplett zu deaktivieren.
Insgesamt zeichnet sich also ein Bild ab, in dem LG bei Monitoren wie auch Fernsehern immer wieder mit aggressiven Datenpraktiken auffällt, was auch Gamers Nexus dazu bewegt hat, generell von LG-Geräten abzuraten und bestehende Geräte möglichst vom Internet zu trennen.