Gebrauchter RAM im Billig-Smartphone: Warum Recycling jetzt Schule macht
Die Preise für Arbeitsspeicher sind derzeit so hoch, dass chinesische Hersteller bei günstigen Smartphones offenbar zunehmend alternativ auch auf gebrauchte DRAM-Chips zurückgreifen. Wie der taiwanische Marktbeobachter TrendForce berichtet, betrifft das vor allem Geräte unter rund 180 Euro, die noch auf LTE setzen. Dort kommen meist LPDDR4X-Speicher zum Einsatz, eine Technik, die seit 2014 produziert wird und inzwischen in großen Mengen aus ausgemusterten Handys verfügbar ist. Teurere Modelle nutzen längst schnellere LPDDR5- oder LPDDR5X-Chips, sodass sich die Wiederverwendung älterer Bausteine anbietet.
Bevor die von den Platinen abgelöteten Chips erneut verbaut werden können, müssen sie mit neuen Lotkugeln versehen werden. Dieser als Reballing bezeichnete Prozess ist aufwendig, aber offenbar lohnend genug, um die hohen Kosten für neue Speicherchips zu umgehen. TrendForce schätzt, dass in diesem Jahr drei bis vier Prozent aller Smartphones mit wiederaufbereitetem RAM bestückt werden. Für 2027 rechnen die Marktbeobachter bereits mit einem Anteil von sieben bis neun Prozent.
Ganz unproblematisch ist diese Entwicklung allerdings nicht. Die Analysten warnen davor, dass schludriges Recycling die Ausfallquote erhöhen kann, und empfehlen eine sorgfältige Qualitätsprüfung der gebrauchten Bauelemente. Zudem tauchen in manchen Billiggeräten vermehrt Speicherchips niedrigerer Geschwindigkeitsklassen auf. Wer also zu einem besonders günstigen Smartphone greift, sollte sich bewusst sein, dass unter der Haube nicht immer neue Hardware steckt.