Binance nach Rekordhack: Auszahlungen starten langsam wieder
Nach dem kürzlich bislang größten Kryptodiebstahl öffnet Binance seine Auszahlungen wieder Schritt für Schritt. Die weltgrößte Kryptobörse erklärt, rund 95 Prozent der gestohlenen Token im Gesamtwert von 6,3 Milliarden US-Dollar wiederbeschafft zu haben. Bei den restlichen fünf Prozent handelt es sich um weniger liquide Token, deren Beschaffung mehr Zeit braucht. Einen festen Zeitplan für die vollständige Wiederherstellung gibt es nicht. Das FBI macht die nordkoreanische Cybereinheit Tradertraitor für den Angriff verantwortlich und beobachtete, wie gestohlene Vermögenswerte in Ethereum umgewandelt wurden.
Wie Binance die Summe stemmt, ist inzwischen teilweise belegt. Co-CEO Richard Teng zufolge hat das Unternehmen mehr als 6,34 Milliarden Dollar an Firmenmitteln zurückgestellt, davon etwa fünf Milliarden bereits in den betroffenen Token. Der Rest soll über den Markt und OTC-Käufe beschafft werden, was bei illiquiden Token länger dauern kann. Hinzu kommt der Notfallfonds Safu, den Binance im Februar 2026 vollständig in Bitcoin umwandelte. Mit 15.000 BTC im Wert von rund einer Milliarde Dollar deckt er höchstens ein Fünftel des Schadens ab. Der aus Handelsgebühren gespeiste Fonds wurde bereits 2019 genutzt, um einen Diebstahl von 7.000 Bitcoin vollständig zu erstatten.
Entlastung könnte aus einer anderen Richtung kommen. Rund drei Milliarden Dollar der Beute wurden on-chain eingefroren, darunter allein über 1,5 Milliarden USDT durch Tether und mehr als 800 Millionen USDC durch Circle. Ob und wann dieses Geld an Binance zurückfließt, entscheiden jedoch Verfahren, die Monate dauern können. Ob Nutzern dauerhafte Verluste entstehen, bleibt unklar. Binance will den Großteil der entwendeten Mittel nach eigenen Angaben selbst abdecken und mit der schrittweisen Wiedereröffnung zugleich Vertrauen und Liquidität stabilisieren. Marktbeobachter warnen allerdings, dass der Aufkauf seltener Token in großen Mengen die Preise bewegen und die Rückholung erschweren kann.