BaFin lehnt überraschend MiCAR-Zulassung von Bitcoin.de ab
Das Warten hat endlich ein Ende, nur leider nicht das erhoffte. Die BaFin hat den Antrag der futurum bank AG auf Zulassung als Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen gemäß MiCAR nämlich überraschend jetzt doch abgelehnt. Das bestätigt bitcoin.de am 07. Oktober 2026 in einem offiziellen Statement an die Kundinnen und Kunden auf der eigenen Homepage. Damit ist klar: Der älteste deutsche Bitcoin-Marktplatz darf vorerst weiterhin keinen Kryptohandel anbieten und somit muss das Geschäftsmodell künftig grundsätzlich neu aufgestellt werden.
Was genau passiert ist
Betroffen ist die futurum bank AG, die 100-prozentige Tochtergesellschaft der Bitcoin Group SE und Betreiberin von bitcoin.de. Die Bank hatte ihren MiCAR-Antrag bereits am 27. Juni 2025 gestellt – mehr als 15 Monate ist das Verfahren nun gelaufen, ohne dass eine Entscheidung kam. Stattdessen hat die BaFin den Antrag jetzt verweigert.
Zur Einordnung: Die futurum bank besitzt zwar eine Banklizenz, für Kryptowerte-Dienstleistungen verlangt die europäische Krypto-Verordnung MiCAR jedoch eine separate Zulassung und diese bekommt sie vorerst nicht.
Die Begründung der Aufsicht ist ernüchternd. Nach Unternehmensangaben sieht die BaFin den aktuellen Umsetzungsstand und den kurzfristig noch erzielbaren Fortschritt bei der Implementierung als nicht ausreichend an – eine Zulassungsverweigerung sei zum jetzigen Zeitpunkt angeblich "alternativlos" gewesen.
Eine Folge der Ablehnung wiegt besonders schwer: Mit dem Bescheid entfällt auch die bisherige Duldung, unter der die futurum bank ihre Kryptowerte-Dienstleistungen bislang erbringen durfte.
Ende August sah es noch anders aus
Wie wir bereits Ende August berichtet hatten, ging bitcoin.de zu diesem Zeitpunkt noch fest von einer MiCAR-Zulassung aus. Damals hieß es, das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen und dauere länger als ursprünglich erwartet – die Wiederaufnahme des Handels wurde ausdrücklich vom Abschluss dieses Lizenzverfahrens abhängig gemacht. Von einer vollständigen Ablehnung war keine Rede, das Szenario schien zumindest offiziell nicht auf dem Tisch.
Dass genau dieser Fall eintritt, ist nun allerdings Realität und zeigt, wie ungewohnt hart die BaFin in dieser Angelegenheit agiert.
Was bedeutet das für Kunden?
Die wichtigste Frage zuerst: Sind die Vermögenswerte sicher? Laut bitcoin.de ist die Antwort diesbezüglich weiterhin ein "Ja". Die futurum bank verwahrt die Kryptowerte bis zur Übertragung auf einen alternativen regulierten Verwahrer weiter, sämtliche Ansprüche bleiben uneingeschränkt bestehen.
Handeln lässt sich allerdings natürlich weiterhin nicht. Der Handel mit Kryptowährungen sowie Euro-Einzahlungen ruhen schon seit dem 12. Juni 2026 weitgehend, Auszahlungen seines bestehenden Krypto-Guthabens (z.B. zu anderen Krypto-Börsen) sind aber trotzdem möglich.
Auch die bisherigen Zugangsdaten bleiben weiter bestehen, sodass ein Login immer noch möglich ist. Handlungsbedarf besteht für Kunden also momentan nicht.
Plan B: Neustart mit regulierten Partnern
Interessant ist, wie gut das Unternehmen auf die Ablehnung vorbereitet scheint. Statt sich allein auf den Rechtsmittelweg zu verlassen, arbeitet bitcoin.de bereits an einem alternativen Betriebsmodell. Konkret sind zwei Kooperationen mit in Deutschland ansässigen regulierten Partnern geplant:
- Ein reguliertes Institut soll künftig als Handelspartner der Kunden fungieren
- Ein weiterer regulierter Partner übernimmt die Verwahrung der Kryptowerte
Bitcoin-Group-CEO Moritz Eckert stellt zudem in Aussicht, den Handel über die technisch erneuerte (und bereits längst fertige) bitcoin.de-App innerhalb der nächsten Wochen wieder zu ermöglichen. Konkrete Partnernamen wurden allerdings noch nicht genannt.
Parallel prüfen die Bitcoin Group SE und die futurum bank die Entscheidung der BaFin. Gegen den Bescheid kann binnen eines Monats nach Bekanntgabe nämlich auch noch Widerspruch eingelegt werden. Zusätzlich bleibt die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt erneut einen MiCAR-Antrag zu stellen.
Die neue Plattform ist längst fertig
Das Problem liegt also nicht an der Technik, denn die Entwicklung der neuen bitcoin.de-Plattform ist nach Unternehmensangaben längst abgeschlossen, Website und Apps für iOS und Android wurden umfangreich getestet.
Das Konzept dahinter ist ambitioniert: bitcoin.de entwickelt sich vom klassischen Peer-to-Peer-Marktplatz hin zu einem modernen Broker mit Orderbuch. Geplant sind unter anderem:
- Handel mit über 100 Kryptowährungen
- Sparpläne
- Krypto-Swaps
- Dynamisches Staking
- Modernes Settlement und schnelle Transaktionsabwicklung
Damit steht und fällt der Relaunch künftig allein mit den regulatorischen Partnerschaften.
Fazit
Für die rund 1,1 Millionen Nutzer der Plattform ist die Nachricht sicherlich bitter – das monatelange Warten auf die MiCAR-Lizenz hat mit einer klaren Absage geendet. Zugleich ist die Botschaft von bitcoin.de bemerkenswert deutlich: Nicht das Ende, sondern (vorerst) ein Umweg. Ob der angekündigte Neustart mit regulierten Partnern tatsächlich "innerhalb der nächsten Wochen" gelingt, wird sich allerdings zeigen müssen. Festgelegte Termine gibt es bislang keine und nach den Erfahrungen der letzten Monate sollte man solche Zusagen mit einer gewissen Vorsicht genießen.