EU-Zoll auf Kleinpakete trifft Temu und AliExpress härter als Shein

Seit dem 1. Juli 2026 verlangt die EU bekanntlich auf Kleinpakete unter 150 Euro Warenwert pauschal drei Euro je Produktkategorie an Zollabgabe. Lange Zeit kamen solche Sendungen komplett zollfrei an, jetzt kostet das allerdings extra und man merkt es sofort. Der französische Zoll und das Wirtschaftsministerium sprechen von 30 bis 40 Prozent weniger Importen. Temu hat im Vergleich von Juni auf Juli die Hälfte des Volumens verloren, AliExpress rund 37 Prozent. Shein kommt mit minus 15 Prozent besser weg, weil das Logistikzentrum in Polen, das Ende 2025 eröffnet wurde, einen Teil der Steuerlast abfängt.

Die Kommission begründet das mit unfairen Vorteilen für asiatische Plattformen und mit Sicherheitsrisiken. Im Jahr 2025 kamen 5,9 Milliarden Billigartikel in die EU, mehr als 16 Millionen Pakete am Tag. Bei Kontrollen sollen angeblich über 60 Prozent der geprüften Ware nicht den europäischen Normen entsprochen haben. Das ist kein kleines Problem - nur ist eine Pauschale auf jedes Paket kein Ersatz für echte Kontrollen. Wer unsichere Stecker und Spielzeug raushalten will, muss prüfen und nicht nur pauschal kassieren.

Für viele Kunden heißt das schlicht, dass der Bestellknopf teurer wird. Drei Euro auf einem Artikel, der selbst kaum mehr kostet, sind natürlich deutlich spürbar. Europäische Händler gewinnen daraus nur etwas, wenn die Leute wirklich im Laden oder im EU-Shop kaufen und nicht einfach weniger bestellen. Dass Brüssel jahrelang den Strom an Kleinsendungen durchgewunken hat und jetzt mit einer groben Abgabe nachzieht, wirkt eher nach Aktionismus als nach durchdachter Handelspolitik.

Und fertig ist das Ganze noch lange nicht: Die drei Euro sind nur ein Übergang bis zur eigentlichen großen Zollreform 2028. Ab November könnten zudem weitere Gebühren für den Aufwand bei der Paketabfertigung dazukommen. Wer hofft, dass nach dem ersten Einbruch Ruhe einkehrt, dürfte vermutlich enttäuscht werden. Am Ende zahlen vor allem Käufer und kleine Importeure für ein System, das Sicherheitsmängel anprangert und sie mit einer Steuer auf Kleinpakete zu lösen versucht.

Stefan Kröll

Über den Autor

Gründer von Xgadget.de und IT-Experte mit über 15 Jahren Erfahrung in den Bereichen macOS, Windows und Smart Home. Als leidenschaftlicher Tech-Enthusiast zudem auch spezialisiert auf Raspberry Pi Projekte und individuelle IT-Lösungen, um komplexe Technik für Anwender verständlich und nutzbar zu machen.

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