Steam: 12 Terabyte alte Valve-Daten geleakt - ganz ohne Hackerangriff

Wenn heutzutage ein Leak die Runde macht, geht man in der Regel automatisch vom Schlimmsten aus: Gekappte Server, gestohlene Zugangsdaten, Lösegeldforderungen. Der Datenfund, der seit dem Wochenende rund um die Spiele-Vertriebsplattform Steam kursiert, ist da allerdings eine Ausnahme. Er ist ohne jeden Einbruch zustande gekommen und genau das macht die Geschichte so bemerkenswert und interessant.

Der Datenfund im Überblick

Am Samstag, dem 29. August 2026, tauchte ein Archiv von rund zwölf Terabyte Umfang auf, das die Community inzwischen ziemlich treffend "Steam2 Teraleak" nennt. Enthalten sind Steam-Depots aus den Jahren 2003 bis 2013: Also interne Builds, Betaversionen, Teststände sowie Prototypen, von denen manche nie für die Öffentlichkeit gedacht waren. Weil Spiele damals deutlich schlanker waren als heute, passt in diese Menge eine erstaunliche Anzahl Pakete – eine von der Community gepflegte Liste zählt bereits fast 11.000 Depot-IDs und sie wächst noch weiter.

Wer jetzt nervös wird, weil bei Steam die Kreditkarte hinterlegt ist, kann allerdings durchatmen. Es geht ausschließlich um Spiele- und Entwicklungsdateien, nicht um Logins, Zahlungsdaten oder aktuelle Nutzerprofile. Valve selbst hat sich bislang nicht öffentlich dazu geäußert.

Kein Hack, sondern ein offenes Fenster

Der spannendste Teil der Geschichte ist, wie die Daten überhaupt nach draußen gekommen sind. Nach allem, was Dataminer bisher rekonstruiert haben, lief es über einen öffentlich erreichbaren Endpunkt der alten Steam2-Infrastruktur – komplett ohne Anmeldung. Wie lange dieser Endpunkt schon offen stand, bevor ihn jemand entdeckt hat, weiß vermutlich niemand so ganz genau.

Auch das auffällige Enddatum von 2013 erklärt sich daraus. Damals stellte Valve die Auslieferung der Spiele auf SteamPipe um und musterte die alten NCF- und GCF-Formate aus. Der Leak endet genau an dieser Nahtstelle, weil es danach schlicht nichts mehr über das alte System zu holen gab. Gebrochen wurde also nicht Valves aktuelles Backend, sondern ein Relikt aus einer Ära, an die sich vermutlich auch im Unternehmen nur noch wenige erinnert haben dürften.

Portal ohne Portalgun – und ein Hauch von Episode 3

Inhaltlich geht es bei der Suche der Community bisher vor allem um Valve selbst. Am meisten Aufsehen erregen frühe Portal-2-Stände aus den Jahren 2007 bis 2011, darunter Material zum legendären F-Stop-Konzept, bei dem statt der Portalgun eine Kamera im Zentrum gestanden hätte. In einem Build von 2010 steckt eine tatsächlich funktionierende Farbspritze, an anderer Stelle gab es Bullet-Time beim Rätseln und ungenutzte Sprüche von Cave Johnson. Dazu kommen frühe Left-4-Dead- und CS:GO-Versionen.

Besonders heikel: In Portal-2-Materialien taucht eine Waffe namens Weaponizer auf, die von vielen mit dem abgebrochenen Half-Life 2: Episode 3 in Verbindung gebracht wird. Ob in den zwölf Terabyte wirklich substanzielle Episode-3-Spuren stecken oder nur übergebliebene Reste, muss sich hingegen erst noch zeigen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Auch Publisher außerhalb von Valve betroffen

Drittanbieter sitzen übrigens mit im geleakten Archiv, allerdings mit sehr unterschiedlichem Schaden. Genannt werden unter anderem Sonic the Hedgehog 4, Dragon Age: Origins, diverse Call-of-Duty-Teile, GTA 4 und 5, Fallout: New Vegas, Skyrim, BioShock, Duke Nukem Forever, Resident Evil, Mirror's Edge, Batman: Arkham Asylum und Spore. Manche dieser Pakete ähneln dem finalen Release schon recht stark, andere sind hingegen kaum mehr als leere Hüllen.

Für Spieletechnik-Historiker ist der Fund trotzdem ein Geschenk, denn so roh sieht man selten, wie ein großer Titel vor dem Feinschliff aussah. Einzige Einschränkung, die man den Lesern mitgeben sollte: Das Material ist und bleibt natürlich trotzdem urheberrechtlich geschützt. Anschauen ist das eine, verbreiten oder herunterladen etwas ganz anderes.

Wie es weitergeht, ist ohnehin absehbar: Zwölf Terabyte durchzukämmen ist Handarbeit, die Community wird noch Wochen damit beschäftigt sein und auf GitHub wachsen derweil weiter die Listen mit neuen Informationen.

Tags:

Stefan Kröll

Über den Autor

Gründer von Xgadget.de und IT-Experte mit über 15 Jahren Erfahrung in den Bereichen macOS, Windows und Smart Home. Als leidenschaftlicher Tech-Enthusiast zudem auch spezialisiert auf Raspberry Pi Projekte und individuelle IT-Lösungen, um komplexe Technik für Anwender verständlich und nutzbar zu machen.

Alle Artikel von Stefan Kröll →
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

* gesponserter Link
Blogverzeichnis - Bloggerei.de