Raspberry Pi Desktop erhält künftig optionalen Icon-Dock

Das Raspberry Pi Desktop bekommt mit dem aktuellen Update ein frischeres Erscheinungsbild, ohne dabei die gewohnte Einfachheit zu verlieren. Wichtig vorab für alle, die ihre aktuell Arbeitsumgebung lieben wie sie ist: Alle Neuerungen sind rein optional und lassen sich auf Wunsch auch komplett ignorieren. Wer nichts ändert, bekommt weiterhin exakt das Desktop-Bild, das man von den bisherigen Versionen kennt.

Der Raspberry Pi Desktop existiert inzwischen seit über zehn Jahren und hat sich technisch längst von seinen Ursprüngen als leicht angepasste LXDE-Variante entfernt. Unter der Haube setzen die Raspberry Pi Macher heute auf Wayland und labwc, auch Optik und Hintergründe wurden mehrfach überarbeitet. Am grundsätzlichen Bedienkonzept mit Taskleiste, Statussymbolen und Hauptmenü hat sich dagegen nie etwas bewegt, was bewusst so war, weil dieses Layout intuitiv und den meisten Nutzern vertraut ist. Jetzt sollen einige Funktionen nachrücken, die sich auf anderen Plattformen längst etabliert haben.

Die größte sichtbare Neuerung ist ein Icon-Dock, das die klassische Taskleiste entweder ersetzen oder ergänzen kann. Dazu kommen zwei neue Widgets, die für das Dock gedacht sind. Das erste ist ein grafischer Anwendungsstarter, der per Klick auf das Himbeer-Symbol eine Übersicht aller installierten Programme einblendet. Diese lässt sich per Suchfeld filtern und mit den Pfeiltasten und Enter auch komplett per Tastatur bedienen. Icons können per Drag-and-drop frei angeordnet werden, alternativ sorgt eine alphabetische Sortierung für Ordnung. Wer sehr viele Anwendungen installiert hat, kann die klassischen Menükategorien aktivieren, die den Launcher in einzelne Bereiche unterteilen, wahlweise mit zusammengesetzten Kategorie-Icons, die die ersten vier Programme einer Kategorie in Miniatur zeigen.

Das zweite Widget kombiniert Schnellstarter und Aufgabenliste und zeigt damit die wichtigsten Anwendungen als Icons an. Laufende Programme werden durch eine Zahl gekennzeichnet, die angibt, wie viele Fenster gerade geöffnet sind. Ein Klick auf ein solches Icon holt alle Fenster der Anwendung in den Vordergrund, sind sie bereits sichtbar, öffnet sich stattdessen ein neues Fenster. Über Rechtsklick lassen sich einzelne Fenster gezielt anzeigen, maximieren oder verstecken. Beide Widgets funktionieren übrigens nicht nur im Dock, sondern lassen sich auch in der gewohnten Taskleiste nutzen.

Der Dock selbst ist übrigens genauso anpassbar wie die Taskleiste. In der Systemsteuerung gibt es jetzt eine eigene Dock-Seite mit Optionen für Farbe, Position und Icon-Größe. Ein oft gewünschter Punkt ist endlich dabei, denn Taskleiste und Dock können sich automatisch ausblenden, wenn man sie gerade nicht braucht. Über die neue Widgets-Seite lassen sich Plugins beliebig in Taskleiste oder Dock verteilen, wobei der rechte Bereich des Docks als Ablage für Statussymbole dient, die automatisch in zwei Reihen aufgeteilt werden. Um den Einstieg zu erleichtern, gibt es auf der Defaults-Seite drei vorgefertigte Stile. Wer will, nutzt Taskleiste und Dock gleichzeitig, etwa mit den Statussymbolen oben und Launcher samt Aufgabenliste im Dock.

Neben dem Dock gibt es noch eine Reihe kleinerer Verbesserungen: Die Uhr kann jetzt etwa analog angezeigt werden, inklusive anpassbarer Farben für Zifferblatt und Zeiger. Wer die Desktop-Icons nicht braucht, kann das Zeichnen des Hintergrundbilds anstelle des Dateimanagers an das sehr schlank gehaltene Programm swaybg übergeben, was spürbar RAM spart. Auf Geräten mit weniger als 2 GB Speicher wird das inzwischen sogar beim Booten vorgeschlagen. Das automatische Einbinden von Wechselmedien ist dafür in das Ejecter-Plugin gewandert, das beim Einstecken eines Laufwerks eine Benachrichtigung zeigt. Außerdem gibt es eine neue Seite für System-Tastenkürzel, die sich einsehen und bearbeiten lassen. Screenshots sind komfortabler geworden, denn nach dem Druck auf die Print-Taste fragt ein Dialog, ob die Aufnahme in einem Bildbearbeiter geöffnet oder in die Zwischenablage kopiert werden soll. Mit zusätzlich gedrückter Alt-Taste lässt sich vorher ein Bildausschnitt auswählen.

Die neuen Funktionen sind vor einigen Tagen in einem frischen Image erschienen, das die gewohnte Taskleisten-Ansicht aber weiterhin als Standard verwendet. Der Dock muss übrigens dabei bewusst über die Systemsteuerung aktiviert werden. Bestehende Installationen erhalten alles Gewünschte stattdessen über die Updater-Funktion oder im Terminal über sudo apt update und sudo apt full-upgrade. Wer also Lust auf ein moderneres Desktop-Gefühl hat, kann ohne Risiko experimentiere und alle anderen arbeiten einfach weiter wie bisher.

Stefan Kröll

Über den Autor

Gründer von Xgadget.de und IT-Experte mit über 15 Jahren Erfahrung in den Bereichen macOS, Windows und Smart Home. Als leidenschaftlicher Tech-Enthusiast zudem auch spezialisiert auf Raspberry Pi Projekte und individuelle IT-Lösungen, um komplexe Technik für Anwender verständlich und nutzbar zu machen.

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