Disney gerät bei 4K-Streaming erneut mit Interdigital aneinander

Disney steht im Streit um die Nutzung patentierter Videotechnologien offenbar weiterhin unter Druck. Nachdem Gerichte dem Konzern zuvor die kostenlose Nutzung bestimmter HEVC-Technologien untersagt haben, setzt Disney bei 4K-Inhalten seit kurzem verstärkt auf den älteren VP9-Codec. Doch auch dieser vermeintliche Ausweg könnte rechtliche Folgen haben.

Der Patentinhaber Interdigital hat seine Klage vor dem europäischen Einheitlichen Patentgericht deshalb ausgeweitet. Nach Ansicht des Unternehmens nutzt Disney VP9 gezielt, um die Lizenzforderungen für HEVC zu umgehen. Interdigital argumentiert allerdings, dass auch VP9 auf patentierten Entwicklungen beruht und damit nicht automatisch lizenzfrei verwendet werden darf.

Der Rechtsstreit läuft bereits seit Februar 2025 und hat Disney inzwischen in mehreren Ländern getroffen. Interdigital erwirkte insgesamt sieben einstweilige Verfügungen in drei Rechtssystemen. Unter anderem bestätigten Gerichte in Brasilien und Deutschland, dass Disney bestimmte patentgeschützte Technologien für sein Streamingangebot ohne entsprechende Lizenz verwendet.

Besonders weitreichend waren die Entscheidungen allerdings in Deutschland. Das Landgericht München untersagte Disney unter anderem die Nutzung bestimmter HEVC-Technologien, HDR sowie Verfahren zur Kombination von Videoinhalten mit zusätzlichen Spuren wie Untertiteln. Im Juni und Juli 2026 folgten Entscheidungen des Einheitlichen Patentgerichts, die Disney in mehreren europäischen Ländern zur Beachtung der Patentrechte verpflichteten.

Disney hatte sich unter anderem darauf berufen, HEVC unter fairen und angemessenen Lizenzbedingungen kostenlos nutzen zu dürfen. Die Gerichte folgten dieser Argumentation jedoch nicht und stuften den Konzern als unwilligen Lizenznehmer ein. Als Konsequenz musste Disney die Streamingqualität teilweise anpassen und auf VP9 ausweichen, das allerdings kein HDR unterstützt.

Damit ist der Streit für Disney offenbar noch nicht beendet. Interdigital sieht auch in der VP9-Nutzung eine Verletzung seiner Patente und will verhindern, dass der Konzern die bisherigen Lizenzforderungen auf diesem Weg umgeht. Für Disney könnte der Wechsel des Videocodecs somit lediglich eine neue Runde im bereits länger andauernden Patentkonflikt bedeuten.

Stefan Kröll

Über den Autor

Gründer von Xgadget.de und IT-Experte mit über 15 Jahren Erfahrung in den Bereichen macOS, Windows und Smart Home. Als leidenschaftlicher Tech-Enthusiast zudem auch spezialisiert auf Raspberry Pi Projekte und individuelle IT-Lösungen, um komplexe Technik für Anwender verständlich und nutzbar zu machen.

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