RSSing.com: Was steckt dahinter und wie kann ich meine Inhalte entfernen?

Du googelst deinen eigenen Blogartikel und findest diesen auch - allerdings nicht auf deiner eigenen Domain. Stattdessen taucht er auf einer unbekannten Subdomain von rssing.com auf. Doch was ist das überhaupt, warum ist das ein Problem und was kannst du dagegen tun? Mit diesem Artikel wollen wir diese Fragen beantworten und Hilfestellung geben, da wir auch selbst betroffen waren.

Was ist RSSing.com?

Bei RSSing.com handelt es sich um einen sogenannten RSS-Feed-Aggregator. Das bedeutet: Der Dienst durchsucht das Web automatisch nach öffentlich zugänglichen RSS-Feeds, liest diese aus und veröffentlicht deren Inhalte auf der eigenen Plattform - allerdings ohne vorherige Anfrage, Erlaubnis oder Benachrichtigung der jeweiligen Website-Betreiber.

Technisch gesehen ist RSS (Really Simple Syndication) ein offenes Format: Wenn du einen RSS-Feed auf deiner Website anbietest, machst du deine Inhalte maschinenlesbar und zur Weiterverbreitung freigegeben – zumindest aus rein technischer Sicht. RSSing.com interpretiert das hingegen als freie Einladung und legt für jeden gefundenen Feed einen eigenen sogenannten "Channel" an, der auf einer Subdomain der Form xxxxx.rssing.com/chan-NNNNNN/ erreichbar ist.

Was den Dienst so problematisch macht: RSSing liest deinen RSS-Feed aus und kopiert den darin enthaltenen Inhalt direkt auf die eigene Plattform. Je nachdem, wie dein Feed konfiguriert ist, kann das sogar der vollständige Artikel sein – Wort für Wort, teilweise mit Bildern, wie du sie auf deiner Website veröffentlicht hast.

Warum ist meine Website dort gelandet?

Ganz einfach: Du hast den "Fehler" gemacht und den RSS-Feed aktiviert. Bei WordPress-Websites ist das standardmäßig der Fall – erreichbar unter deinedomain.de/feed. Sobald ein solcher Feed im Netz existiert und von einem Crawler entdeckt wird, kann er von fraglichen Diensten wie RSSing.com eingelesen werden.

Du musst dich dafür auch nirgends angemeldet haben, es reicht, dass dein Feed öffentlich zugänglich ist. RSSing.com sammelt diese Feeds in großem Stil, ohne überhaupt Einwilligung einzuholen. Das Opt-out-Prinzip – also dass du aktiv widersprechen musst, statt aktiv zuzustimmen – ist in diesem Kontext der Grundkonflikt: Denn der Dienst geht davon aus, dass alle einverstanden sind, solange niemand etwas dagegen sagt.

Warum ist das schlecht für deine Website?

Auf den ersten Blick mag es harmlos klingen: Ein anderer Dienst verlinkt deine Inhalte. Doch das täuscht. Die negativen Auswirkungen sind real und betreffen mehrere Bereiche:

1. Duplicate Content und SEO-Schaden
Wenn dein Artikel auf rssing.com nahezu identisch auftaucht wie auf deiner eigenen Domain, entsteht sogenannter "Duplicate Content". Suchmaschinen wie Google müssen dann entscheiden, welche Version die "originale" ist – und wählen dabei nicht zwingend deine. Im schlimmsten Fall rankt die RSSing-Version in den Suchergebnissen sogar höher als dein eigentlicher Artikel. Du verlierst also organischen Traffic an einen Dienst, dem du den Inhalt nie gegeben hast.

2. Traffic-Verlust ohne Gegenleistung
Dein Inhalt erscheint vollständig auf RSSing – der Besucher liest deinen Artikel dort zu Ende, ohne deine Website je besucht zu haben. Dein Traffic bleibt aus, deine Werbeeinnahmen auch. RSSing hingegen monetarisiert die Seite mit eigener und teilweise auch fraglicher Werbung.

3. Der "Backlink" ist wertlos
RSSing gibt zwar auf seinen Channel-Seiten einen Link zur Quell-Homepage an – das klingt zunächst nach einem nützlichen Backlink. In der Realität ist dieser Link jedoch komplett wertlos für dein SEO. Der Link wird nicht als normaler dofollow- oder nofollow-Link ausgespielt, sondern per JavaScript dynamisch umgebaut und führt zunächst auf eine interne Weiterleitungsseite von RSSing, bevor der Nutzer zur eigentlichen Quelle gelangt. Suchmaschinen-Crawler folgen solchen JavaScript-Weiterleitungen in der Regel nicht oder werten sie nicht als regulären Link – der vermeintliche Backlink hat somit keinerlei SEO-Mehrwert für deine Website.

4. Kein Vertrauen, kein Kontext
Dein Inhalt erscheint in einem fremden, unkontrollierten Umfeld ohne dein eigenes Branding, ohne deine Navigationsstruktur, ohne Kontext. Das kann für Erstbesucher verwirrend sein und deiner Marke sogar schaden.

5. Mögliche Rechtsprobleme
Auch wenn RSS technisch "offen" ist, schützt das Urheberrecht deinen Text. Die unerlaubte vollständige Reproduktion und öffentliche Zugänglichmachung deiner Artikel ohne Lizenz ist in Deutschland rechtlich problematisch. Das gilt insbesondere dann, wenn – wie bei RSSing – die Inhalte nicht nur verlinkt, sondern direkt übernommen und auf einer werbefinanzierten Plattform präsentiert werden.

Wie kannst du deine Website von RSSing.com entfernen?

Es gibt mehrere Wege, gegen RSSing.com vorzugehen – abhängig davon, wie weit du gehen möchtest.

Schritt 1: Direktanfrage über das Kontaktformular
RSSing bietet auf jeder Channel-Seite einen Link "Contact us about this channel" an. Darüber kannst du direkt eine Entfernungsanfrage stellen. Alternativ gibt es auf der Kontaktseite (rssing.com/contact.php) ein Formular speziell für solche Anfragen.

Wichtig dabei: Für eine Channel-Entfernung benötigst du die URL deines Channels in der Form xxxxx.rssing.com/chan-NNNNNN/. Wenn du einzelne Artikel entfernen möchtest, musst du die direkte Artikel-URL angeben (browser.php?indx=NNNNNNN&item=NNN), nicht nur die Seiten-URL.

Erfahrungsberichte zeigen, dass RSSing immerhin nach wenigen Tagen auf solche Anfragen auch tatsächlich reagiert. Nach einer erfolgreichen Anfrage kommt häufig eine Bestätigung, dass die Domain auf eine Sperrliste gesetzt wurde und bestehende Inhalte entfernt werden.

Auch Xgadget.de war übrigens von diesem Content-Diebstahl betroffen, doch nach wenigen Tagen wurde unsere Löschanfrage dann bearbeitet und die Inhalte immerhin komplett entfernt:

Schritt 2: RSS-Feed auf Teasertexte beschränken
Die wirksamste Präventivmaßnahme ist, deinen RSS-Feed zudem so zu konfigurieren, dass er nur noch Zusammenfassungen statt Volltexte ausliefert. Dann hat RSSing oder andere fragliche Feed-Aggregatoren schlicht keinen vollständigen Artikel mehr, den es kopieren könnte – und der Schaden durch Duplicate Content entfällt weitgehend.

In WordPress geht das übrigens im entsprechenden Einstellungen-Unterpunkt bezüglich RSS-Feeds.

Wer den Feed ganz deaktivieren möchte, kann das über ein Plugin wie "Disable Feeds" oder durch einen entsprechenden Code-Eintrag in der functions.php des Themes tun. Bedenke aber, dass du damit auch legitime RSS-Leser und neutrale RSS-Aggregatoren ausschließt und dies deiner Webseite ebenfalls schaden könnte.

Schritt 3: Seiten optimieren und Meta-Tags setzen
Stelle sicher, dass deine Originalinhalte durch gutes Onpage-SEO, schnelle Ladezeiten und saubere Meta Canonical-Tags klar als Original erkennbar sind. Google favorisiert in der Regel die Originalquelle, sofern diese technisch einwandfrei aufgestellt ist.

Fazit für Blog-Betreiber

RSSing.com ist zwar kein Malware-Dienst im klassischen Sinne, aber durchaus ein klassisches Beispiel für ein parasitäres Geschäftsmodell - nämlich fremde Inhalte aggregieren, Traffic damit generieren, Werbung einblenden - auf Kosten der eigentlichen Content-Ersteller.

Wer einen öffentlichen RSS-Feed mit Volltexten betreibt, ist automatisch ein potenzielles Ziel. Der angebotene "Backlink" zur Quellseite ist dabei kein fairer Ausgleich, sondern technisch genau so umgesetzt, dass er weder für Nutzer noch für Suchmaschinen überhaupt einen Wert liefert. Die Quellseite kann somit nur verlieren.

Die gute Nachricht ist allerdings, dass der Dienst immerhin aktuell auf Entfernungsanfragen reagiert und man somit mit etwas Aufwand die eigenen Inhalte wieder von dort entfernt bekommt. Wer auf Nummer sicher gehen will, kombiniert am besten beide Ansätze: Direktanfrage für die Löschung stellen und den RSS-Feed dauerhaft auf Zusammenfassungen beschränken.

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Stefan Kröll

Über den Autor

Gründer von Xgadget.de und IT-Experte mit über 15 Jahren Erfahrung in den Bereichen macOS, Windows und Smart Home. Als leidenschaftlicher Tech-Enthusiast zudem auch spezialisiert auf Raspberry Pi Projekte und individuelle IT-Lösungen, um komplexe Technik für Anwender verständlich und nutzbar zu machen.

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