YouTube bekommt Konkurrenz: Bilibili startet neuen Versuch im Westen

Die chinesische Videoplattform Bilibili startet einen neuen Versuch, international Fuß zu fassen. Dafür wurde die bereits eingestellte internationale App neu veröffentlicht. Gleichzeitig will das Unternehmen gezielt nun auch nicht-chinesische Content-Creator gewinnen und arbeitet an einer englischsprachigen Upload-Oberfläche für die chinesische Hauptplattform. Die internationale Version bilibili.tv ist dabei bereits auf Englisch verfügbar.

Eine wichtige Hürde fällt zudem ebenfalls weg: Ausländische Nutzer müssen nämlich in der neuen internationalen App offenbar keine Ausweisdokumente mehr zur Identitätsprüfung einreichen. Damit wird der Einstieg deutlich einfacher. Bilibili will zudem seine internationale Reichweite ausbauen und sucht Mitarbeiter für die Betreuung von Communities unter anderem in Los Angeles, London, Tokio und São Paulo. Auch ein KI-gestütztes System zur Inhaltsmoderation wird entwickelt.

Für Content-Creator soll Bilibili zudem attraktiver werden. Das Unternehmen wirbt mit einer großen, jungen und kaufkräftigen Nutzerschaft und plant einen Marktplatz, über den internationale Influencer direkt mit Marken zusammengebracht werden können. Auf der chinesischen Plattform sind bereits rund 376 Millionen Menschen monatlich aktiv. Einzelne bekannte westliche Creator wie MrBeast zeigen zudem, dass Bilibili auch außerhalb Chinas bereits Aufmerksamkeit bekommt.

Allerdings bringt die Expansion erhebliche Probleme mit sich, denn besonders beim Urheberrecht hat Bilibili eine schwierige Vorgeschichte. Erst im März 2026 bestätigte ein chinesisches Gericht eine Verurteilung des Unternehmens wegen massenhaft verbreiteter raubkopierter Inhalte des südkoreanischen Senders MBC. Auch zuvor mussten etwa unerlaubt hochgeladene Folgen der US-Sitcom "Friends" entfernt werden. Aktuelle Stichproben zeigen zudem, dass auf der Plattform weiterhin komplette Filme verfügbar sind, die dort offensichtlich nicht veröffentlicht werden dürften.

Genau hier dürfte sich entscheiden, ob Bilibili international wirklich eine Chance hat. Eine große Plattform mit Millionen Nutzern, besseren Werkzeugen für Creator und einem internationalen Auftritt könnte durchaus interessant werden. Wenn Bilibili seine Probleme bei Urheberrecht, Moderation, Datenschutz und möglicher Zensur in den Griff bekommt, könnte es vielleicht endlich mal ernstzunehmende Konkurrenz für YouTube geben.

Stefan Kröll

Über den Autor

Gründer von Xgadget.de und IT-Experte mit über 15 Jahren Erfahrung in den Bereichen macOS, Windows und Smart Home. Als leidenschaftlicher Tech-Enthusiast zudem auch spezialisiert auf Raspberry Pi Projekte und individuelle IT-Lösungen, um komplexe Technik für Anwender verständlich und nutzbar zu machen.

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