Vodafone verkauft die Überholspur im Mobilfunk
Vodafone testet aktuell im britischen Markt ein Modell, das die Debatte um Netzneutralität neu beleben könnte. Mit der Option „Speed Boost“ führt der Anbieter nämlich eine kostenpflichtige Priorisierung von Datenverkehr ein. Nutzer können sich damit also in stark ausgelasteten Funkzellen gewissermaßen nach vorne schieben lassen und profitieren laut Unternehmen von deutlich höheren Geschwindigkeiten, insbesondere an Orten wie Bahnhöfen oder in dicht besuchten Innenstädten.
Die Zusatzoption ist teilweise bereits in bestimmten Premium-Tarifen enthalten, kann aber auch flexibel hinzugebucht werden. Die Preisstruktur ist überschaubar und richtet sich nach der Nutzungsdauer, wodurch sich das Angebot gezielt für kurzfristige Engpässe einsetzen lässt. Technisch setzt Vodafone dabei auf 5G-fähige Geräte, die Voraussetzung für den Zugriff auf die priorisierte Datenübertragung sind.
Allerdings ist die vermeintliche Überholspur begrenzt. Die bevorzugte Behandlung gilt nur bis zu einem festgelegten Datenvolumen, danach greift wieder die normale Priorisierung. Damit bleibt der Vorteil zwar spürbar, aber nicht unbegrenzt nutzbar.
Spannend ist vor allem die regulatorische Perspektive, denn während solche Modelle in Großbritannien offenbar möglich sind, wäre ein vergleichbares Angebot in Deutschland kaum ohne Weiteres umsetzbar. Die Bundesnetzagentur achtet streng auf die Einhaltung der Netzneutralität, die eine Gleichbehandlung von Datenverkehr vorsieht.