Tellys Gratis-TV: Große Vision trifft auf ernüchternde Realität
Als Telly 2023 seinen kostenlosen Fernseher ankündigte, klang das nach einer kleinen Revolution. So sollte es einen Smart-TV zum Nulltarif geben, komplett finanziert über eingeblendete Werbung. Die Erwartungen waren entsprechend hoch und es sollten hunderttausende Geräte schnell ausgeliefert werden, später sogar Millionen. Doch zwei Jahre später zeigt sich nun, dass Anspruch und Wirklichkeit weit auseinanderliegen.
Interne Zahlen, die Investoren vorgelegt wurden, sprechen eine deutliche Sprache. Bis Herbst 2025 wurden gerade einmal rund 35.000 Geräte an potentielle Nutzern ausgeliefert. Von den einst kommunizierten Zielen ist damit nur ein Bruchteil erreicht. Zwar plant Telly nun, die Produktion wieder hochzufahren und hat zusätzliche Geräte bei Foxconn bestellt, doch die Gründe für den bisherigen Stillstand bleiben unklar – ebenso, ob sich das Blatt tatsächlich noch wenden lässt.
Mögliche Erklärungen für die wenigen Auslieferungen gibt es theoretisch einige. So könnten Vorbestellungen storniert worden sein oder das Start-up hat sich schlicht verkalkuliert und nicht genug Kapital für eine größere Vorfinanzierung der Hardware gehabt. Klar ist jedenfalls, dass das Geschäftsmodell für Telly wohl weiterhin riskant bleibt. Der Fernseher finanziert sich über ein dauerhaft aktives Zweitdisplay unter der Soundbar, das Werbung sowie Informationswidgets zeigt und nicht verdeckt werden darf, eine Konstruktion, die stark in den Alltag der Nutzer eingreift.
Bislang gibt es den kostenfreien Telly Fernseher übrigens sowieso nur in den USA, dies dürfte unter anderem auch mit dem dort weniger strengen Datenschutz zusammen hängen. Ob ein Fernseher der permanent umfangreiche Nutzerdaten erfasst überhaupt in Europa realistisch wäre bleibt daher fraglich.
