TCL Nxtwear S – die neuen OLED-Brillen

Die Freizeit wird futuristisch. Acht Jahre nach Googles erster AR-Brille, Google Glass, die mit ihrem eingebauten Datendisplay an Hollywood-Spionagefilme erinnerte, können sich Technologie-Fans auf hochentwickelte neue AR- und VR-Brillen freuen.
Über eine Kickstarter-Kampagne soll dabei die jüngst auf der Messe IFA 2022 vorgestellte TCL Nxtwear S finanziert werden und vielleicht sogar noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

In der Brille sind zwei Micro-OLED-Displays verbaut, die dank einer Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixel sowohl beim bewegten wie beim unbewegten Bild eine Full-HD-Wiedergabe bieten. Das Ergebnis ist ein großformatig wahrgenommenes Bild, dass dem Nutzer das gleiche Erlebnis vermittelt, das normalerweise beim Betrachten eines Displays mit 140 Zoll, also 355 Zentimeter, Bildschirmdiagonale aus vier Meter Entfernung entsteht. Das entspricht schon fast Kinogefühl, was die TCL Nxtwear S in erster Linie auch für Filmfans und Videogamer interessant machen soll. Die Bildwiederholrate wird mit 60 Hz angegeben.

Aber die Brille kann noch weitaus mehr als nur Filme abspielen. Sie ist für die Verbindung mit Smartphones, Tablets und PC genauso gedacht wie für den Einsatz mit Playstation, Xbox oder Nintendo Switch. Die OLED-Displays in den Linsen erlauben das Studium von vertraulichen Dokumenten in der Öffentlichkeit genauso wie das Einblenden von Informationen in den verschiedensten Situationen. Augmentierte Realität, in der die Wirklichkeit erweitert ist, ermöglicht es dann zum Beispiel Zockern, sich während des Pokerspiels im wahrsten Sinne des Wortes einen Poker Rechner vor Augen zu halten, der die jeweiligen Wahrscheinlichkeiten berechnet und dabei hilft, wohlüberlegte Entscheidungen zu treffen, ohne sich auf sein Gedächtnis verlassen zu müssen. Ein nützlicheres Gadget fürs Pokern gibt es kaum.

Lautstärkeregler und Helligkeitseinstellungen sind direkt über die Brille verfügbar, so dass der Nutzer das Gerät bequem an die jeweilige Situation anpassen kann. Die TCL Nxtwear S soll zudem den mühelosen Wechsel zwischen 2D und 3D erlauben.
Damit selbst Brillenträger die innovativen Gläser tragen können, sollen Korrekturgläser mit Magneten an der Nxtwear S zu befestigen sein. Zumindest eine leichte Kurzsichtigkeit soll damit ausgeglichen werden.

Um tatsächlich in den vollen Genuss der Technologie zu kommen, ist die Brille ergonomisch geformt und so leicht wie möglich gemacht worden. Der Mangel an Tragekomfort war viele Jahre eines der Hauptprobleme bei der Weiterentwicklung von Headsets für augmentierte und virtuelle Realität.

Die TCL Nxtwear S ist dabei aber nicht lange nicht das einzige Modell, das Leichtigkeit und vielfältigen Einsatz vor allem im Freizeitbereich liefert. Auch Lenovo hat auf der IFA 2022 mit der T1 eine neue Bildschirmbrille vorgestellt.

Genau wie TCL setzt Lenovo dabei auf zwei Micro-OLED- Displays. Diese schränken dabei das Sichtfeld nicht komplett ein, sondern erlauben das Wahrnehmen der Umgebung an dem projizierten Sichtfeld vorbei. Dabei funktionieren die Linsen wie eine dunkle Sonnenbrille. Zwei Lautsprecher sind auf der Höhe der Ohren in den Bügeln eingebaut.

Während TCL auf einen magnetischen Pogo-Pin etwa für die Verbindung mit dem Smartphone setzt, verwendet Lenovo ein USB-C-Kabel beziehungsweise einen Lightning-Conductor. Austauschbare Nasenflügel und Ohrenbügel sollen den Tragekomfort der ab 2023 erhältlichen Brille erhöhen. Für Brillenträger sind Sehstärken-Einsätze vorgesehen.

Da die Lenovo T1 in erster Linie für den Freizeitbereich gedacht ist und sich vor allem an Filmfans und Zocker richtet, wird der Dauergebrauch nicht empfohlen. Den Bereich überlassen die Entwickler weiterhin Google, die mit der ersten Reihe von Google Glass die neue Technologie massentauglich machen wollten.

Mittlerweile ist die zweite Generation erhältlich. Google Glass 2 sind wie die anderen Wearables auch verbundene Brillen, die Informationen in erweiterter Realität abbilden. Sie verfügen über eine Kamera, ein Mikrofon, einen Miniaturbildschirm, der am Rahmen in der Sichtachse des rechten Auges untergebracht ist, einen Ohrhörer sowie ein Touchpad zur Oberflächennavigation.

Während die TCL Nxtwear S das Abspielen von im Riesenformat wahrgenommenen Bildern ermöglicht, sind Google Glass 2 tatsächlich auf die AR-Aspekte fokussiert. Dank der WiFi-Verbindung mit einem Smartphone können zum Beispiel Google Maps, Kalender und Hangouts genutzt oder Email- und SMS-Benachrichtigungen empfangen werden. Die integrierte Kamera erlaubt das Aufzeichnen von Fotos und Filmen – einer der Punkte, der Google Glass in den Anfängen den Erfolg schwer machte, weil Kritiker die Verletzung der Privatsphäre befürchteten.

Das erste Google Glass Modell wurde 2015 eingestellt, weil Google stattdessen ein komplett neues Modell für den professionellen Einsatz entwickeln wollte.

Das Ergebnis ist eine smarte Datenbrille, die in etlichen Branchen den Alltag erleichtert. Mit einem Gewicht von nur 80 Gramm ist sie leicht und bequem genug, um einen ganzen Arbeitstag über getragen zu werden. Das AR-Display erlaubt das Einblenden von Arbeitsanweisungen etwa für Montage und Inspektionen sowie Videos und Bildern, und ermöglicht den Zugriff auf gespeicherte Informationen, ohne dabei das jeweilige reale Objekt aus dem Blick zu verlieren.

Weil die Daten nahtlos verfügbar sind, wird die Unterbrechung von Aufgaben vermieden, genauso wie die Konzentration nicht gestört wird. Sprachbefehle für Bildaufnahmen oder den Wechsel von eingeblendetem Material und die Steuerung per Wischen oder Tippen am Brillengestell erlauben den Einsatz der Smart Glasses in den verschiedensten Umgebungen und Situationen.

Tonaufnahmen und Audiowiedergabe sowie Live-Videostreams machen Google Glass 2 zu einer Rundum-Lösung in den meisten Bereichen.

Obwohl der Freizeitbereich für die smarten Brillen wie gemacht ist, sind die technologischen Gadgets in vielen Feldern wertvolle Hilfen.

In der Medizin wird augmentierte Realität schon länger eingesetzt, ob es nun um die Therapie von Phobien, die Einblendung von Patientendaten bei einer Operation oder die Konsultation von weit entfernten Experten in Notsituationen geht. Der Lernbereich profitiert ebenfalls von den Brillen mit ihrem eingebauten Display und der Möglichkeit, sich virtuell in die verschiedensten Situationen versetzen zu lassen.

Die Anfänge von AR- und VR-Brillen gehen dabei bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. Schriftsteller Stanley G. Weinbaum erfand 1935 in seiner Kurzgeschichte “Pygmalion’s Spectacles” Brillen, die ein immersives Erlebnis ermöglichten. Das erste Gerät, das dreidimensionale Bilder erzeugen konnte, kam 1939 in Form eines Kinderspielzeugs auf den Markt. Der View-Master von Mattel konnte 7 stereoskopische Farbdias in 3D übereinanderlegen. Damit wurde er zum Vorreiter von VR-Headsets.

Im Jahr 1962 entwickelte der Filmemacher Morton Heilig aus dem simplen Prinzip von Mattel das an einen Arkaden-Automaten erinnernde Sensorama mit einem Sitz und zwei Gucklöchern. Zwei Jahre später hatte Heilig aus dem klobigen Gerät das erste Headset kreiert.

Doch um tatsächlich brauchbare VR-Brillen zu entwickeln, waren noch etliche Jahrzehnte notwendig. Die Gadgets mussten nicht nur viel leichter werden, auch die Bildauflösung und Auffrischungsrate mussten gewaltige Steigerungen erleben, damit das Gehirn die Informationen verschmelzen konnte. Grafikkarten mit riesigen Speicherleistungen waren ein weiteres Puzzleteil, das lange Zeit fehlte. Morton Heilig hat diese Quantensprünge in der Technologie nicht mehr erlebt, aber eine Brille wie die TCL Nxtwear S, die die Illusion eines Riesenbildschirms durch zwei Micro-OLED-Displays erschafft, ist ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod die Realisierung seiner Filmemacher-Vision.




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(Symbolbild: Microsoft)
Datum:
14.09.2022, 00:02 Uhr
Aktualisiert:
14.09.2022, 13:25 Uhr
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