Arduino Stromversorgung: Welches Netzteil passt zu welchem Modell?
Wer zum ersten Mal einen Arduino in Betrieb nimmt, steht schnell vor einer grundlegenden Frage: Welche Stromversorgung brauche ich eigentlich? USB-Kabel, Steckernetzteil, Batterien – es gibt viele Möglichkeiten, und je nach Modell und Anwendung unterscheiden sie sich erheblich. Dieser Artikel erklärt praxisnah, was hinter der Stromversorgung steckt, wie viel ein Arduino tatsächlich verbraucht, und wie man das passende Netzteil auswählt.
Inhaltsverzeichnis
Grundlagen: Spannung, Strom, Leistung
Bevor es zu den Modellen geht, kurz das Wichtigste zur Theorie: Ein Arduino benötigt eine geregelte Gleichspannung (DC) – keine Wechselspannung. Das Board selbst enthält einen integrierten Spannungsregler (meist ein linearer Längsregler), der eine höhere Eingangsspannung auf die intern benötigten 5 V (oder 3,3 V) herunterregelt. Dabei wird überschüssige Energie als Wärme abgegeben – weshalb eine unnötig hohe Versorgungsspannung den Regler thermisch belastet.
Die drei entscheidenden Größen beim Netzteil:
- Spannung (Volt): Muss zur Spezifikation des Boards passen – zu wenig, und der Arduino startet nicht stabil; zu viel, und der Regler überhitzt oder stirbt.
- Strom (Ampere): Das Netzteil muss mindestens so viel Strom liefern können, wie Board und angeschlossene Komponenten insgesamt benötigen. Ein überdimensioniertes Netzteil schadet nicht – es gibt immer nur so viel Strom ab, wie die Schaltung zieht.
- Steckertyp: Für den Barrel-Jack-Anschluss (Hohlstecker) der klassischen Arduino-Boards ist ein 5,5 mm / 2,1 mm DC-Stecker erforderlich, positiv innen (Center Positive).
Wieviel Strom verbraucht ein Arduino?
Der reine Mikrocontroller (z. B. ATmega328P beim UNO) benötigt bei 16 MHz und 5 V nur etwa 9–14 mA. Das Gesamtboard zieht aber deutlich mehr, da LEDs, Spannungsregler und USB-Chip ebenfalls Strom verbrauchen. Für den Arduino UNO R3 liegt der typische Betriebsstrom je nach Last zwischen 45 und 80 mA, im Tiefschlaf-Modus bei rund 35 mA – da der Regler und die Power-LED weiter aktiv bleiben.
Wichtig für die Praxis: Sobald externe Komponenten angeschlossen werden (Sensoren, Displays, Servos, LEDs, Relais), steigt der Gesamtstrom erheblich. Jeder digitale I/O-Pin darf dauerhaft maximal 20 mA liefern, alle Pins zusammen beim ATmega328P maximal 200 mA. Wer mehrere Verbraucher betreibt, sollte das Netzteil entsprechend großzügiger dimensionieren.
Modellübersicht: Spannung und Strombedarf im Vergleich
Die Arduino-Familie umfasst viele Boards mit unterschiedlichen Anforderungen an Spannung, Strombedarf und Anschlussstecker. Hier ein Überblick der gängigsten Modelle:

Arduino UNO R3
Das meistverkaufte Einsteiger-Board, basierend auf dem ATmega328P.
- Betriebsspannung: 5 V (intern)
- Empfohlene Eingangsspannung (Barrel Jack / VIN): 7–12 V DC
- Absolute Maximalspannung: 20 V (nicht empfohlen)
- Typischer Stromverbrauch: 45–80 mA (Board allein)
- USB: 5 V, bis 500 mA über USB-Anschluss
Empfehlung: 9 V / 500–1000 mA Steckernetzteil. Bei vielen angeschlossenen Komponenten lieber 9 V / 1 A oder 12 V / 1 A wählen.
Arduino UNO R4 (Minima & WiFi)
Der neuere R4 verwendet einen ARM-Cortex-M4-Prozessor (Renesas RA4M1) – und verbraucht spürbar mehr als sein Vorgänger.
- Betriebsspannung: 5 V
- Empfohlene Eingangsspannung: 6–24 V DC
- Typischer Stromverbrauch (Minima, Blink-Sketch): ca. 30–37 mA
- UNO R4 WiFi: durch den zusätzlichen ESP32-S3-Chip deutlich mehr – im Betrieb 97–175 mA, je nachdem ob WLAN aktiv ist
Empfehlung: Für den R4 WiFi mindestens ein 5 V / 1 A USB-C-Netzteil oder 9 V / 1 A über Barrel Jack.
Arduino Mega 2560
Das "große" Board für komplexe Projekte mit vielen Pins, basierend auf dem ATmega2560.
- Betriebsspannung: 5 V
- Empfohlene Eingangsspannung: 7–12 V DC
- Typischer Stromverbrauch: ca. 83–88 mA (Board allein)
- Maximaler Ausgangsstrom alle I/O-Pins zusammen: 500 mA
Empfehlung: 9 V / 1 A, bei vielen Peripheriegeräten 9 V / 2 A.
Arduino Nano (klassisch)
Kleines Board im Breadboard-Format, ebenfalls ATmega328P, aber kompakter aufgebaut.
- Betriebsspannung: 5 V
- Eingangsspannung (VIN-Pin): 7–12 V DC
- Typischer Stromverbrauch: ca. 29–32 mA (Board allein, deutlich sparsamer als der UNO durch weniger Peripherie auf dem Board)
- Stromversorgung: meist per Mini-USB oder Micro-USB
Empfehlung: Standardmäßig reicht ein USB-Netzteil mit 500 mA. Für größere Projekte: 9 V / 500 mA über VIN.
Arduino Nano Every
Der modernisierte Nano mit ATmega4809 und eigenem USB-Interface-Chip.
- Betriebsspannung: 5 V
- Empfohlene Eingangsspannung: 7–21 V DC
- Typischer Ruhestrom (Board, keine Last): ca. 33 mA
- 3,3-V-Regler: Liefert bis 550 mA, empfohlene Entnahme max. 200 mA
Empfehlung: USB-Netzteil 5 V / 500 mA für einfache Projekte; für Peripherie entsprechend mehr.
Arduino Pro Mini
Minimalistisches Board ohne USB-Chip – primär für Batteriebetrieb oder eingebettete Anwendungen.
- Varianten: 3,3 V / 8 MHz und 5 V / 16 MHz
- Betriebsstrom (5-V-Version): ca. 15–25 mA
- Betriebsstrom (3,3-V-Version): ca. 6–15 mA, im Sleep-Mode unter 1 mA möglich
- Stromversorgung: ausschließlich über RAW-Pin (für 5-V-Version: 5–12 V, für 3,3-V-Version: 3,35–12 V)
Empfehlung: Ideal für Batteriebetrieb (3× AA = 4,5 V sind für die 3,3-V-Version zulässig). Kein USB-Netzteil direkt verwendbar.
Arduino Leonardo / Micro
Diese Boards haben den USB-Controller direkt im Hauptprozessor (ATmega32U4) integriert.
- Betriebsspannung: 5 V
- Eingangsspannung: 7–12 V DC (Leonardo via Barrel Jack), Micro über Micro-USB
- Typischer Stromverbrauch: ca. 25–80 mA je nach Auslastung
Netzteilarten im Überblick
Steckernetzteil (Barrel Jack)
Die klassische Wahl für stationären Betrieb. Achte auf:
- DC-Ausgang (kein AC/Wechselspannung!)
- Center Positive (Plus innen, Minus außen)
- Steckergröße 5,5 mm / 2,1 mm
- Empfohlene Ausgangsspannung: 9 V (guter Kompromiss für alle 5-V-Arduinos)
- Mindestens 500 mA, besser 1 A
USB-Netzteil / Powerbank
Für alle Boards mit USB-Buchse (Micro-USB, Mini-USB, USB-C) direkt verwendbar. Liefert 5 V – der Spannungsregler des Boards wird dabei umgangen. Begrenzung: maximal 500 mA bei USB 2.0. Für einfache Projekte ohne viele Peripheriegeräte vollkommen ausreichend.
Labornetzteil
Für Entwicklung und Tests ideal, da Spannung und Strombegrenzung frei einstellbar sind. Strom auf z. B. 200–300 mA begrenzen, um bei Verdrahtungsfehlern das Board zu schützen.
Batterien und Akkus
Portabler Betrieb ist über Batterien möglich:
- 9-V-Blockbatterie direkt am Barrel Jack (für UNO etc.) – funktioniert, aber die Kapazität (~550 mAh) ist bei 80 mA Verbrauch schnell erschöpft
- 4× AA (6 V) oder 5× AA (7,5 V) über VIN-Pin – langlebiger
- LiPo-Akkus (3,7 V) erfordern einen zusätzlichen Step-Up-Wandler auf 5 V
Praktische Faustregeln
- Nie die 5-V-Version eines Boards direkt mit 12 V versorgen – der lineare Regler muss 7 V als Wärme verheizen. Bei 100 mA Strom sind das bereits 700 mW Verlustleistung, was den kleinen Regler an seine Grenzen bringt.
- 9 V ist die beste Wahl für alle Arduinos mit internem 5-V-Regler – guter Kompromiss zwischen Verfügbarkeit, Wärmeentwicklung und Stabilität.
- Netzteilstrom ≥ Board + alle Peripheriegeräte – addiere den Strombedarf aller angeschlossenen Komponenten und wähle ein Netzteil mit mindestens 20–30% Puffer darüber.
- Externe Hochstromverbraucher separat versorgen – Servos, Schrittmotoren oder große LED-Stripes sollten nie allein über den Arduino-Pin gespeist werden, sondern eine eigene Stromquelle mit gemeinsamem GND bekommen.
- Für Batteriebetrieb: Arduino Pro Mini (3,3 V) oder ein Bare-Metal-ATmega-Chip sind deutlich effizienter als ein UNO.
Fazit
Die Stromversorgung ist kein Hexenwerk, aber ein häufig unterschätztes Thema – besonders wenn Projekte wachsen und mehr Komponenten dazukommen. Mit einem 9-V / 1-A-Steckernetzteil ist man für die meisten Projekte mit Arduino UNO, Mega oder Nano gut aufgestellt. Wer auf Batteriebetrieb oder Energieeffizienz setzt, greift zum Pro Mini in der 3,3-V-Variante. Und wer WLAN integrieren möchte, sollte beim UNO R4 WiFi einen USB-C-Anschluss mit mindestens 1 A einplanen.
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