Disney+ droht Schadensersatzforderung wegen HDR-Patent
Nachdem wir in letzter Zeit schon häufiger über die Streitigkeiten von Disney+ und dem Pantentverwerter InterDigital berichtet hatten, geht es nun in die nächste Runde. InterDigital verlangt von Disney Deutschland nun stolze 101,7 Millionen Euro Schadensersatz. Hintergrund ist ein Patent für HDR-Bildtechnik, das nach Ansicht des Unternehmens beim Streaming über Disney+ verletzt wurde. Die entsprechende Klage liegt beim Landgericht München I und betrifft den Zeitraum vom Start von Disney+ in Deutschland im März 2020 bis Ende 2025.
Im Mittelpunkt steht das europäische Patent EP 2 132 923. Bereits im November 2025 stellte das Landgericht München I eine Patentverletzung fest und erließ eine einstweilige Verfügung gegen Disney. InterDigital wirft dem Konzern zudem vor, Videostreams über Server im Raum Frankfurt an Kunden in insgesamt 20 europäischen Ländern ausgeliefert zu haben. Deshalb bezieht sich die nun geforderte Summe nicht ausschließlich auf das deutsche Geschäft.
Als Reaktion auf die Münchner Entscheidung entfernte Disney Dolby Vision aus seinem Angebot. In Deutschland fiel zwischenzeitlich auch die 4K-Auflösung weg, inzwischen steht dort zudem kein HDR mehr zur Verfügung. Für betroffene Premium-Kunden bot Disney deshalb ein Sonderkündigungsrecht an. InterDigital kritisiert gleichzeitig, dass Disney trotz der Einschränkungen weiterhin kein Lizenzabkommen für die betreffende Technik abgeschlossen habe.
Der Patentstreit zwischen beiden Unternehmen läuft bereits seit Februar 2025 und hat sich inzwischen deutlich ausgeweitet. Nach Angaben von InterDigital wurden in Brasilien, Deutschland und vor dem Einheitlichen Patentgericht insgesamt acht Unterlassungsverfügungen erwirkt. Zuletzt ging es dabei unter anderem um die Cast-Funktion von Disney+. Parallel laufen zudem weitere Verfahren zum Videocodec VP9.
InterDigital erklärt weiterhin eine Lizenzvereinbarung mit Disney anzustreben zu wollen. Nach Darstellung des Patentverwerters hat Disney allerdings bislang keine Lizenzgebühren gezahlt. Eine öffentliche Stellungnahme von Disney zu der Forderung über 101,7 Millionen Euro liegt bislang nicht vor.