So vermeidest du falsche Anführungszeichen in WordPress
WordPress bringt von Haus aus eine Funktion namens wptexturize() mit, die automatisch im Hintergrund arbeitet und gewöhnliche ASCII-Zeichen in typografisch "schönere" Sonderzeichen umwandelt. Das klingt zunächst hilfreich – und das ist es in manchen Fällen auch. Doch gerade für deutschsprachige Blogs kann diese Automatik mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen.
Was macht wptexturize() überhaupt?
Die Funktion wptexturize() ist Teil des WordPress-Kerns und wird bei jedem Seitenaufruf auf Textinhalte angewendet. Sie transformiert dabei unter anderem folgende Zeichen:
- Gerade Anführungszeichen "..." werden in geschweifte/typografische Anführungszeichen umgewandelt
- Gerade Apostrophe ' werden zu typografischen Apostrophen
- Doppelte Bindestriche -- werden zu Gedankenstrichen (–)
- Drei Punkte ... werden zu Auslassungspunkten (…)
- Multiplikationszeichen wie 6x6 werden zu 6×6
- Brüche wie 1/2 können zu ½ werden
Diese Umwandlungen orientieren sich an englischen Typografieregeln – und genau das ist für deutschsprachige Inhalte das Problem.
Das Problem: Falsche Anführungszeichen im Deutschen
Im Deutschen gilt: Öffnende Anführungszeichen stehen unten („), schließende oben ("). WordPress versucht zwar, dies über Sprachdateien korrekt abzubilden – doch die automatische Erkennung schlägt in bestimmten Kontexten fehl.
Ein bekanntes und lästiges Problem zeigt sich zum Beispiel dann, wenn ein fettgedrucktes Wort in Anführungszeichen steht und danach direkt ein Punkt folgt. In solchen Fällen erkennt WordPress den Kontext falsch und setzt beide Anführungszeichen unten – also „Wort„. – was typografisch falsch ist und den Lesefluss stört. Auch in Verbindung mit Shortcodes, Custom Fields, Page-Builder-Elementen oder bestimmten HTML-Strukturen kann wptexturize() unerwartete Ergebnisse liefern. Besonders kritisch wird es bei Code-Schnipseln: Dort kann die Funktion funktionalen PHP- oder JavaScript-Code beschädigen, weil gerade Anführungszeichen durch typografische Varianten ersetzt werden, die kein Interpreter versteht.
Die Lösung: Den Filter deaktivieren
Mit folgendem Einzeiler in der functions.php deines Themes kannst du wptexturize() vollständig deaktivieren:
add_filter( 'run_wptexturize', '__return_false' );
Dieser Filter greift direkt in den WordPress-Kern ein: Wenn run_wptexturize auf false gesetzt wird, gibt die Funktion den Originaltext unverändert zurück – es wird keinerlei automatische Zeichenersetzung mehr vorgenommen. Die Kontrolle über die Darstellung von Anführungszeichen, Bindestrichen und anderen Sonderzeichen liegt damit vollständig bei dir.
Wo genau einfügen? Am besten am Ende der functions.php deines aktiven Child-Themes – nicht des Parent-Themes, da Änderungen dort bei einem Theme-Update überschrieben werden.
Meine Erfahrung im Blog: Warum ich diesen Filter eingesetzt habe
Im Zuge der aktuellen Template-Erneuerung habe ich diesen Filter ebenfalls eingefügt – und zwar aus einem ganz konkreten Anlass. Mir ist aufgefallen, dass in bestimmten Beitragsteilen die Anführungszeichen fehlerhaft dargestellt wurden: Wenn nach einem fettgedruckten Wort in Anführungszeichen direkt ein Punkt folgte, wurden beide Anführungszeichen unten angezeigt – als würde ein zweites öffnendes Anführungszeichen gesetzt.
Nach dem Deaktivieren von wptexturize() werden die Anführungszeichen nun beidseitig oben dargestellt – wie im Englischen üblich ("Wort".). Das ist konsistent, optisch einheitlich und stört den Leser deutlich weniger als ein offensichtlich falsch platziertes Zeichen. Den Unterschied kannst du auch im Vergleichsbild in diesem Beitrag sehen, das die Darstellung vor und nach der Änderung gegenüberstellt.

Wichtiger Hinweis: Child-Theme oder eigenes Plugin verwenden
Da die functions.php bei einem Theme-Update überschrieben werden kann, sollte diese Änderung immer im Child-Theme vorgenommen werden. Die update-sicherste Methode ist jedoch die Erstellung eines eigenen kleinen Plugins, das ausschließlich diesen Filter registriert – das ist auch die von der WordPress-Community empfohlene Vorgehensweise für solche Anpassungen.