H.264-Lizenzen werden deutlich teurer
Der weit verbreitete Videostandard H.264 galt lange als verlässliche und kalkulierbare Grundlage für Streamingangebote. Nun sorgt ausgerechnet seine Lizenzierung für Unruhe, denn die Via Licensing Alliance hebt überraschend die Gebühren drastisch an und stellt damit vor allem mittelgroße Anbieter vor neue Herausforderungen.
Künftig müssen Unternehmen bis zu 4,5 Millionen US Dollar pro Jahr zahlen, sofern sie nicht bereits vor Ende 2025 einen bestehenden Vertrag abgeschlossen hatten. Während Bestandskunden von den alten Konditionen profitieren, trifft das neue Modell also alle anderen umso härter. Besonders einschneidend ist dabei die Abkehr von einer einheitlichen Gebühr hin zu einem gestaffelten System, das sich an der Größe und dem Geschäftsmodell der Anbieter orientiert.
Je mehr zahlende Nutzer eine Plattform hat, desto höher fällt dann logischerweise auch die Belastung aus. Große Dienste bewegen sich damit in einer völlig neuen Kostenordnung, während kleinere Anbieter zumindest nominell auf dem bisherigen Niveau bleiben. Dennoch entsteht ein Ungleichgewicht, das den Wettbewerb verschieben könnte, da gerade wachsende Plattformen plötzlich deutlich höhere Hürden überwinden müssen.
Brisant ist der Schritt auch aus rechtlicher Sicht. Lizenzgebühren für standardessenzielle Patente sollen eigentlich fair und angemessen sein, doch was genau das bedeutet, ist nicht eindeutig definiert. Der starke Preisanstieg wirft deshalb Fragen auf, zumal viele der zugrunde liegenden Patente bereits ausgelaufen sind. Gleichzeitig bleibt H.264 technisch relevant und weit verbreitet, sodass Unternehmen kaum kurzfristig ausweichen können.