NOARCHIVE-Tag und Bing Copilot: Was Webmaster jetzt wissen müssen

Wer seine Website in den Bing Webmaster Tools überprüft, stolpert derzeit über eine Warnung, die viele Betreiber zunächst ratlos zurücklässt. Die Meldung lautet sinngemäß: "Content with NOARCHIVE tag is excluded from Copilot responses and grounding results, severely limiting our ability to deliver the most relevant and helpful response." Was steckt hinter diesem Hinweis – und was sollten Webmaster jetzt tun?

Was ist der NOARCHIVE-Tag überhaupt?

Der noarchive-Meta-Tag ist eine Direktive für Suchmaschinen-Crawler, die seit vielen Jahren im Webmaster-Werkzeugkasten existiert. Er wird im-Bereich einer HTML-Seite eingefügt:

<meta name="robots" content="noarchive">

Sein ursprünglicher Zweck war simpel: Er teilt Suchmaschinen mit, dass sie keine gecachte Kopie der Seite speichern und in den Suchergebnissen anzeigen sollen. Typische Anwendungsfälle waren etwa E-Commerce-Seiten mit häufig wechselnden Preisen, Nachrichtenportale mit zeitkritischen Inhalten oder Seiten, deren Betreiber schlicht nicht wollten, dass eine veraltete "Schnappschuss-Version" öffentlich zugänglich ist.

Wichtig zu verstehen: noarchive verhindert nicht das Crawlen und Indexieren einer Seite. Die Seite erscheint weiterhin in den regulären Suchergebnissen – es fehlt lediglich der "Im Cache"-Link, den früher viele Suchmaschinen angeboten haben.

Was Bing heute daraus macht

Hier liegt der Kern der aktuellen Diskussion: Microsoft hat den Anwendungsbereich des noarchive-Tags für Bing erheblich erweitert. Laut der offiziellen Bing-Webmaster-Dokumentation bewirkt das Tag bei Bing heute nämlich gleich drei Dinge:

  1. Kein Cache: Es wird keine gecachte Version der Seite gespeichert (klassische Funktion).
  2. Kein Link in Chat und Copilot: Die Seite wird nicht als Quelle in Bing Chat oder Microsoft Copilot verlinkt oder zitiert.
  3. Kein Training: Die Inhalte werden nicht für das Training von Microsofts generativen KI-Modellen verwendet.

Punkt zwei ist das, was die Warnung in den Bing Webmaster Tools auslöst. Copilot greift beim Beantworten von Nutzeranfragen auf einen Prozess namens Grounding zurück – das bedeutet: Die KI sucht aktiv nach passenden Webinhalten, um ihre Antworten zu untermauern und auf aktuelle Quellen zu stützen. Ist eine Seite mit noarchive gekennzeichnet, wird sie aus diesem Prozess vollständig ausgeschlossen. Bing sieht das als erhebliche Einschränkung und weist Webmaster daher explizit darauf hin.

Anders ausgedrückt: Wer noarchive einsetzt, verzichtet in Bing also nicht nur auf den Cache-Link – er verzichtet auch auf jegliche Sichtbarkeit innerhalb von Copilot-Antworten und KI-gestützten Suchergebnissen. In einer Zeit, in der KI-generierte Antworten einen immer größeren Anteil der Suchinteraktionen ausmachen, ist das eine merkliche Einschränkung der organischen Reichweite.

Warum diese Warnung viele Webmaster überrascht

Das Problem ist dabei, dass der ursprüngliche Einsatzzweck des Tags nichts mit KI zu tun hatte. Viele Webmaster haben noarchive eventuell vor Jahren gesetzt – entweder aus Datenschutzgründen, wegen veralteter CMS-Standardkonfigurationen oder schlicht, weil ein Plugin das Tag automatisch gesetzt hat, ohne dass der Betreiber es bewusst gewählt hat.

Wer sein WordPress-Theme oder SEO-Plugin nicht regelmäßig überprüft, könnte also unwissentlich seit Monaten oder Jahren aus Bing Copilot ausgeschlossen sein – ohne es zu merken. Die neue Warnung in den Bing Webmaster Tools ist daher tatsächlich ein hilfreicher Hinweis, den man ernst nehmen sollte.

Wie verhält sich Google mit NOARCHIVE?

Ein interessanter Vergleich ist dabei Google, denn diese hat den noarchive-Tag faktisch abgeschafft. Im Jahr 2024 entfernte Google die Dokumentation zu noarchive aus seiner aktiven Hilfe und stufte den Tag als historisch ein. Der Grund: Google hat die Cache-Funktion für Seiten vollständig abgekündigt. In der aktuellen Google Search Central-Dokumentation heißt es wörtlich:

"The noarchive rule is no longer used by Google Search to control whether a cached link is shown in search results, as the cached link feature no longer exists."

Für Google AI Overviews und den KI-Modus in der Suche gilt das noarchive-Tag daher nicht als Ausschlusskriterium. Wer seine Inhalte aus Googles KI-Antworten heraushalten möchte, muss andere Mittel einsetzen – etwa max-snippet: 0 oder nosnippet.

Andere Suchmaschinen im Überblick

Suchmaschine Cache-Funktion NOARCHIVE-Wirkung auf KI/Chat
Bing Aktiv Ausschluss aus Copilot & Grounding
Google Eingestellt (2024) Nicht relevant (Tag ignoriert)
DuckDuckGo Keine eigene Cache-Funktion Kein eigener KI-Ausschluss über dieses Tag
Yandex Vorhanden Respektiert noarchive für den Cache

DuckDuckGo nutzt zum Teil Bing-Daten als Grundlage, weshalb Seiten, die bei Bing aus dem Copilot ausgeschlossen sind, indirekt auch dort weniger Präsenz haben könnten. Eine explizite KI-Ausschlusslogik über noarchive wie bei Bing ist bei anderen Suchmaschinen derzeit nicht dokumentiert.

Was sollten Webmaster jetzt konkret tun?

Zunächst prüfen: Sucht in eurem CMS, Theme oder SEO-Plugin nach dem noarchive-Tag. Bei WordPress-Installationen lohnt ein Blick in die Einstellungen von Plugins wie Yoast SEO, RankMath oder All in One SEO. Auch direkt im Quellcode (Rechtsklick -> Seitenquelltext anzeigen, dann nach noarchive suchen) lässt sich das schnell überprüfen.

Dann entscheiden: Nicht jede Seite braucht unbedingt auch Copilot-Sichtbarkeit. Login-Seiten, rechtliche Hinweise, interne Statusseiten oder tatsächlich veraltete Inhalte können ruhig weiterhin mit noarchive markiert bleiben. Bei redaktionellen Inhalten, Produktseiten oder Blog-Artikeln hingegen, die von Copilot zitiert werden könnten, sollte das Tag kritisch hinterfragt und gegebenenfalls entfernt werden.

Kombinationsregel beachten: Bing gibt an, dass Seiten, die sowohl noarchive als auch nocache tragen, als nocache behandelt werden. Die Implikationen für Copilot bleiben aber die gleichen – beide Tags schließen die Seite aus dem KI-Grounding aus.

Das Fazit für die Praxis

Der noarchive-Tag ist ein klassisches Beispiel dafür, wie sich die Bedeutung einer technischen Direktive über die Jahre fundamental verschieben kann. Was einst lediglich den Suchmaschinen-Cache betraf, entscheidet heute darüber, ob eure Inhalte überhaupt in KI-gestützten Antworten erscheinen – oder vollständig unsichtbar bleiben und damit Traffic kosten können. In einer Suchlandschaft, die sich rasant in Richtung KI-generierter Ergebnisse entwickelt, ist das somit ein wichtiger Faktor, den kein ernsthafter Webmaster komplett ignorieren sollte.

 

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Stefan Kröll

Über den Autor

Gründer von Xgadget.de und IT-Experte mit über 15 Jahren Erfahrung in den Bereichen macOS, Windows und Smart Home. Als leidenschaftlicher Tech-Enthusiast zudem auch spezialisiert auf Raspberry Pi Projekte und individuelle IT-Lösungen, um komplexe Technik für Anwender verständlich und nutzbar zu machen.

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