Honey-Skandal: Vorwürfe gegen die App werden immer schlimmer

Eigentlich sollte die Browser-Erweiterung „Honey“ nur als harmloses Spar-Tool fungieren und automatisch Coupons und Rabatte finden – doch laut den neuen Recherchen des YouTube-Kanals „MegaLag“ steckt hinter dieser simplen Oberfläche ein hochkomplexes System, das über Jahre hinweg systematisch die Spielregeln des Affiliate-Marketings unterlaufen haben soll, mit erheblichen finanziellen Folgen für Content-Creator, Blogger und andere Publisher.

Mehr Schein als Sein bei Coupons

Ein zentraler Vorwurf betrifft Honeys Umgang mit Rabattcodes. Während das Unternehmen öffentlich damit warb, das Internet nach den besten verfügbaren Coupons zu durchsuchen, zeigen interne Daten ein anderes Bild. Ein Großteil der Codes stammte entweder direkt von Marken, wurde manuell von Honey-Mitarbeitern eingepflegt oder sogar von Nutzern selbst beigesteuert. Von einem automatisierten scannen des gesamten Internets kann daher eher nicht die Rede sein.

Besonders problematisch ist allerdings, das abgelaufene oder bewusst deaktivierte Coupons im Frontend weiterhin als verfügbar dargestellt werden – dies wurden den Nutzern angeblich sogar als „exklusive“ Honey-Deals präsentiert. Für Nutzer bedeutete das oft Zeitverschwendung an der Kasse, während Honey im Hintergrund dennoch Affiliate-Einnahmen für sich generierte, selbst bei Shops ohne aktive Rabatte oder Cashback.

Die gezielte Kontrolle darüber, welche Deals Nutzer sehen

Die Recherche zeigt außerdem, dass Honey sehr genau steuerte, welche Coupon-Quellen für welche Marken zugelassen waren. Bei tausenden Partner-Shops waren nutzergenerierte Codes komplett gesperrt, vor allem dort, wo Honey offiziell als Affiliate-Partner gelistet war. Damit widerspricht das tatsächliche Verhalten der zentralen Marketingbotschaft, stets den besten verfügbaren Deal zu liefern. Tatsächlich entschied oft der wirtschaftliche Vorteil für Honey, welche Rabatte überhaupt angezeigt wurden.

Das Herzstück der Affäre: Selektives „Stand-Down“

Der schwerwiegendste Vorwurf betrifft allerdings das sogenannte Stand-Down-Prinzip. In der Affiliate-Branche gilt üblicherweise: Hat ein Nutzer bereits über einen Affiliate-Link eines Creators einen Shop besucht, muss eine Coupon-Extension zurücktreten und darf keine Provision abgreifen. Honey hatte ein solches System zwar implementiert, wendete es aber offenbar nur selektiv an.

Laut „MegaLag“ analysierte die Browser-Erweiterung Nutzerprofile zunächst im Detail: Kontenalter, gesammelte Cashback-Punkte, Login-Status, besuchte Webseiten und sogar bestimmte Cookies von Affiliate-Netzwerken. Nutzer, die als „normale Käufer“ eingestuft wurden, bekamen Honey trotz bestehender Affiliate-Links aktiv angezeigt. Wer hingegen wie ein Tester oder Mitarbeiter eines Affiliate-Netzwerks wirkte, sah dagegen ein regelkonformes Verhalten. Damit konnte Honey nach außen compliant erscheinen, während im Alltag offenbar weiterhin Provisionen umgeleitet wurden.

Dynamische Regeln und versteckte Kontrollmechanismen

Besonders brisant ist, dass diese Stand-Down-Regeln nicht fest im Add-on verankert waren, sondern regelmäßig von Honey-Servern aktualisiert wurden. So ließ sich das Verhalten der Erweiterung kurzfristig und ohne sichtbares Update verändern. Historische Versionen zeigen zudem, dass die Zeitfenster für das Stand-Down früher extrem kurz waren – teilweise nur wenige Minuten. Ein Kauf, der später abgeschlossen wurde, fiel damit automatisch wieder Honey zu.

Zusätzlich existierten mehrere sogenannte Not-Aus-Schalter, mit denen Honey bei Bedarf vollständig auf regelkonformes Verhalten umstellen konnte, etwa wenn Affiliate-Netzwerke oder Tester aktiv waren.

Schon vor PayPal – ein jahrelanges System

Die technischen Spuren dieses Systems reichen laut des YouTubers „MegaLag“ bis ins Jahr 2017 zurück, also lange vor der Übernahme durch PayPal. Auch wenn damit nicht eindeutig bewiesen ist, wer das System entworfen hat, deutet vieles darauf hin, dass es sich nicht um einen Einzelfall oder ein kurzfristiges Versehen handelte, sondern um eine strategische Entscheidung über mehrere Jahre hinweg.

Einschätzung von externer Seite

Ein unabhängiger Sicherheitsexperte bestätigte die technischen Erkenntnisse und sprach von einem klaren Muster gezielter Verschleierung. Auch wenn juristisch vorsichtig formuliert wird, steht im Raum, dass hier bewusst versucht wurde, Einnahmen zu maximieren und gleichzeitig Kontrollen zu umgehen – ein Vorgehen, das das Vertrauen in die gesamte Affiliate-Branche erschüttern könnte.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, geht es beim Honey-Skandal nicht um kleine Regelverstöße, sondern um ein systematisches Unterlaufen branchenweiter Standards, inklusive massiver Eingriffe in die Privatsphäre der Nutzer. Affiliate-Netzwerke, Werbepartner und Regulierungsbehörden düften nun unter Zugzwang stehen, klare Konsequenzen zu ziehen.



Honey-Browsererweiterung im Chrome Web Store. (Bild: Xgadget.de)
Datum:
01.01.2026, 00:24 Uhr
Autor:
Stefan Kröll
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