Was bringt die neue App gegen Spielsucht?

Glücksspiel ist eines der beliebtesten und ältesten Arten von Spielen überhaupt. Schon seit tausenden von Jahren frönen Spieler dem Spiel um den großen – oder manchmal kleinen – Gewinn.

Doch mit dem Glücksspiel gab auch immer diejenigen, die sich von dieser Art des Spieles nicht losreißen konnten. Bei Ihnen ist es zu einer Sucht geworden die dazu führte, dass sie alle verfügbaren Geldmittel immer wieder in das jeweilige Spiel investieren. Das Aufnehmen von Schulden ist dabei oft ebenso eine Folge wie der Versuch alles an Wertgegenständen zu Geld zu machen um wieder spielen zu können. Genau hier zeigt sich auch warum Spielsucht tatsächlich schlimmer ist wie z.B. Alkoholsucht, denn ein spielsüchtiger Familienvater würde im Extremfall buchstäblich Haus und Hof verkaufen um seine Spielsucht ausleben zu können. Dass er damit seine Familie in den finanziellen Ruin treibt ist dabei völlig irrelevant.

Eine App gegen die Spielsucht

Durch das Internet und die Möglichkeit Glücksspiele in einem Online Casino zu spielen hat sich die Gefahr an Spielsucht zu erkranken in den letzten Jahren deutlich erhöht. Um dieser Gefahr zu begegnet wurden von der Bundesregierung verschiedene Maßnahmen in Absprache mit den einzelnen Ländern getroffen. Bayern gingen diese Maßnahmen anscheinend nicht weit genug. Die bayerische Gesundheitsministerium brachte nun eine eigens entwickelte App heraus die dabei helfen soll Glücksspielsucht effektiv zu bekämpfen. Die App “Playoff” soll dabei helfen das Spielverhalten der Nutzer besser zu kontrollieren. Die potentielle Zielgruppe sind dabei ca. 37000 Menschen in Bayern die als spielsüchtig gelten. Herausgebracht wir die App sowohl für IOS wie auch für Android.

Wie soll die Playoff-App bei der Spielsucht-Bekämpfung helfen?

Die App soll als ergänzende Maßnahme dienen um Spielsüchtige bei Ihrer Suchtbekämpfung besser zu unterstützen. Vorrangig wird sie im Rahmen einer therapeutischen Behandlung als zusätzliches Instrument eingesetzt. Die App alleine ist natürlich nicht in der Lage Spielsüchtige von ihrem destruktiven Verhalten abzubringen. Vielmehr soll sie dabei helfen das Verhalten des jeweiligen Nutzers besser aufzuklären. Zu diesem Zweck können mit Hilfe der App zb:

  • an persönliche Lebens- und Suchtziele erinnert werden
  • der Besuch von Online-Casinos und Spielhallen dokumentiert werden
  • Kontrolle des Spielverhaltens
  • Festlegung alternativer Freizeitgestaltung um die Spielzeit bestmöglich zu minimieren

Der Nutzer der App kann somit diese nach den eigenen Wünschen und Vorgaben gestalten und z.B. therapeutische Maßnahmen besser durchführen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist zum einen die Bereitschaft des App-Nutzer diese auch konsequent anzuwenden. Zudem ist in jedem Fall eine therapeutische Betreuung anzuraten, da nur so eine regelmäßige informative App-Auswertung und gegebenenfalls weitere Schritte auf den Weg aus der Spielsucht erfolgen können.

Wie effektiv ist die App Playoff wirklich?

In Fachkreisen wird die App durchaus kontrovers diskutiert. Dabei sind es vor allem die nachfolgenden Punkte die bei Kritikern für absolutes Unverständnis sorgen:

App nur auf Landesebene: Tatsächlich kann die App theoretisch zwar von jedem downgeloadet werden, allerdings findet die therapeutische Betreuung nur in Bayern und nur für Menschen mit bayerischem Wohnsitz statt. Für die Bundesrepublik Deutschland heißt das, dass hunderttausende Spielsüchtige keine Möglichkeit haben die App effektiv zu nutzen. Andere – besser funktionierende Apps – werden im Gegensatz dazu auf Bundesebene entwickelt und zur Verfügung gestellt

Zu teuer: Die App zielte von Anfang an nur darauf ab die ca. 37000 Spielsüchtigen in Bayern zu unterstützen. Bei einer Entwicklung in Millionenhöhe sind die Pro-Kopf-Kosten somit entsprechend hoch wobei der tatsächliche therapeutische Nutzen erst noch bewiesen werden muss. Kritiker sehen hier die Gefahr eines weiteren Millionengrabes.

Annahme der App bei Spielsüchtigen fraglich: Die App erfordert von den Nutzern ein erhebliches Maß an Eigenengagement, da sie selbst ihr Verhalten dokumentieren müssen. Genau das allerdings ist es was für Spielsüchtige extrem schwierig ist. Denn sind sie gerade im Spielrausch gefangen ist es extrem unwahrscheinlich, dass sie detailliert darüber Buch führen. Auswertungen der Aufzeichnungen sind als Folge davon extrem ungenau. Und können die Ausarbeitung weiterer erfolgsversprechender Maßnahmen erschweren.

Keine wirkliche Präventation: Für viele Kritiker steht nicht die Therapie im Fokus sondern eine erfolgreiche Suchtprävention. Genau diese wird durch die App allerdings nicht geboten weshalb vielfach die Meinung vorherrscht das das Geld fehlinvestiert wurde. Auch wird darauf hingewiesen, dass es deutlich effektiver sein könnte den Zugang zum Glücksspiel zu erschweren. So zum Beispiel durch ein Verbot der kostenlosen Freispiele. Nach Meinung vieler Fachleute wäre ein – von Anfang an – kostenpflichtiges Glücksspiel ein weitaus effektiveres Mittel zur Suchtprävention und langfristig besser wie die Umsetzung vereinzelter therapeutischer Maßnahmen.

Nutzen der Playoff- App sehr begrenzt

Zusammenfassend lässt sich somit sagen das nicht nur der Nutzen der Playoff-App realistisch gesehen extrem fragwürdig ist, sondern auch das der Wirkungsbereich stark eingeschränkt ist. Viele Fachleute sehen zudem auch noch einen falschen Ansatz zur Bekämpfung der Spielsucht und erwarten bessere Ergebnisse durch eine verschärfte Gesetzgebung. Vor dem Hintergrund dieser Argumente mehrere Millionen in eine solche App zu investieren ist wohl kaum mehr wie ein Pflaster auf einen abgetrennten Arm zu kleben. Eine nette Geste aber leider wenig effektiv.



(Bild: Xgadget.de)
Datum:
10.10.2020, 00:01 Uhr
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